Der Titel spiegelt ein Stück Zeitgeist wider, lädt aber auch zu einem Missverständnis ein. Nein: "Hysteria", das Album des österreichisch-schweizerischen Quartetts Phraim, ist kein Tummelplatz für Songs am Rande des Nervenzusammenbruchs, sondern vereint acht klug komponierte Lieder. Klug, weil die Gruppe rund um Nina Reiter, Eignerin einer feenhaften, wendigen Stimme mit Neigung zu quirligen Vokalisen, einen gefinkelten Stilmix pflegt: Elemente aus einem avancierten Singer/Songwriter-Bereich treffen auf treibende Jazzrhythmen und aparte Instrumental-Solos.

Das beschert eingängige Momente und überraschende Wendungen, zudem einen echten Geniestreich: "Colorblind Birds" verbindet träumerischen Gesang, anzuhören wie eine sublimierte Simon-&-Garfunkel-Melodie, mit einem rauschend-triolischen Rhythmus und würzigen Jazzharmonien - ein hinreißender Hybrid.