Seelenverwandte: "Er pfeift sich weniger als ich - und das ist gut"

Die Popmusiker Josh. und Bernhard Speer über ihre Freundschaft, "Amadeus"-Konkurrenzen - und ihren Podcast.

"Er ist vorbereitet und ich schau, was kommt ...": Bernhard Speer (r.) und Josh.

© Tatjana Sternisa

"Wiener Zeitung": Josh., Sie haben sich Bernhard Speer als seelenverwandten Gesprächspartner gewünscht. Das hat sicher gute Gründe ...

Josh.: Wir sind binnen relativ kurzer Zeit wirklich gute Freunde geworden.

Bernhard Speer: Vor zwei Jahren wollte ich Josh. als Gast für ein Projekt einladen und schon bei diesem allerersten Telefonat war nach drei Minuten klar, dass wir uns richtig gut verstehen. So etwas spürt man ziemlich schnell.

Josh.: Als du mich damals das erste Mal angerufen hast, dachte ich mir: Was, der kennst meine Musik! Das hat mich irrsinnig gefreut, dass du meine Songs gehört hast.

- © Tatjana Sternisa
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Speer: Die nächste Begegnung war dann voriges Jahr beim Donauinselfest, damals ist es sehr spät geworden - und ich trau mir zu sagen, dass wir ab dem Zeitpunkt Freunde geworden sind.

Hat Ihre Freundschaft auch Auswirkungen auf Ihr musikalisches Schaffen?

Speer: Dazu sind wir noch zu junge Freunde...

Josh.: Das wird sich in irgendeiner Weise genauso auswirken, wie mit allen anderen Musikern, mit denen man befreundet ist, also dass man sich Songs vorspielt oder privat über Musik redet. Bernhard ist sehr verankert und sehr happy mit seinem musikalischen Projekt- und ich auch.

Es gibt also keine Ablöse - aus Seiler und Speer wird Josh. und Speer?

Speer: Nein, sicher nicht.

Gewisse Parallelen gibt es hinsichtlich der Zugriffsraten eurer beiden Top Hits. Sowohl "Ham kummst" als auch "Cordula Grün" weisen rund 43 Millionen Zugriffe auf YouTube auf.

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Speer: Das spricht auch dafür, dass sich unsere Fanbase nicht unbedingt sehr voneinander unterscheidet. Ich glaube, dass wir gemeinsam ziemlich viele Leute bespaßen können.

Das Publikum bei euren Konzerten ist also ein ähnliches?

Josh.: Es gibt auf jeden Fall eine große Schnittmenge. Das ist auch auf Spotify ersichtlich. Wenn ich in mein Künstlerprofil hineinschaue, sieht man, was Leute, die Josh. auf Spotify streamen, sonst noch hören - und da ist Seiler und Speer eigentlich immer unter den fünf Interpreten, die vorgeschlagen werden. Wir spielen am 2. September in Rottenmann in der Steiermark auch gemeinsam ein Open-Air-Konzert. Ich als Vorgruppe.

Speer: Es muss einen Unterschied geben! Ich würde aber auch tauschen ...

Josh.: Wobei ich schon sagen möchte, dass man uns nicht vergleichen kann. Das erste Album von Seiler und Speer ist jetzt bereits 250 Wochen in den Charts, mein erstes Album war das neun Wochen.

Die beiden Popmusiker im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" im Café Goldegg. 
- © Tatjana Sternisa

Die beiden Popmusiker im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" im Café Goldegg.

- © Tatjana Sternisa

Gibt es trotz aller Freundschaft manchmal ein gewisses Konkurrenzdenken? Beispielsweise wenn ihr beide, wie zuletzt der Fall, für die Amadeus Music Awards nominiert seid.

Speer: Nur nicht aussprechen! Das tut immer noch ein bissl weh! Nein, halb so schlimm, aber die Nummer "Hödn", die ich gemeinsam mit Herrn Seiler gemacht habe, bedeutet mir halt ziemlich viel, und wenn man zu dieser Gala eingeladen und wertgeschätzt wird mit so einer Auszeichnung, dann ist das etwas Schönes. Trotzdem vergönne ich ihm jeden Amadeus und deswegen habe ich auch gesagt, dass er eigentlich für seinen Fleiß noch drei weitere verdient hätte. Ich weiß, wie viel er arbeitet, da bin ich manchmal ein bissl der Faulere.

Josh.: Musik zu werten, ist sowieso immer etwas Schwieriges. Die Bedeutung, die ein Song für einen Künstler hat, muss sich nicht unbedingt in der Chartplatzierung widerspiegeln. Für manche Dinge nimmt man Anerkennung lieber als für andere. So wie euch der Song "Hödn" irrsinnig viel bedeutet, ist das bei mir mein zweites Album, "Teilzeitromantik". Am Ende war es so, dass ich den Amadeus für den Song "Expresso & Tschianti" bekommen habe und den Amadeus für das beste Album, der mir am allermeisten bedeutet hätte, hat RAF Camora abgeräumt ...

Speer: Das klingt zwar etwas abgedroschen, aber so ist es: Die richtige Messlatte und Wertigkeit sind die Leute, die aufs Konzert kommen. Wenn du ihnen ins Gesicht schaust und merkst, wie sie aufleben, das ist der wahre Lohn.

Tatsache ist, dass ihr beide extrem erfolgreich und in den letzten Jahren in der deutschsprachigen Szene zu Stars geworden seid. Was hat sich geändert? Ist der Alltag völlig verschieden geworden?

Josh.: Bei mir schon, mit "Cordula Grün" hat sich tatsächlich der Alltag komplett unterschieden zu zuvor - und ich war froh, dass ich zu diesem Zeitpunkt nicht 18 war. Das ist auch etwas Schönes an so einer Freundschaft, dass man über manche Dinge, die im Kopf, vielleicht auch am Konto oder wo auch immer passieren, sprechen kann.

Speer: Manchmal sagt man uns nach, dass der Erfolg quasi über Nacht gekommen ist, das stimmt aber überhaupt nicht. Ich mache Musik und bin in Bands, seit ich 15 war. Das ist ein ganz ein langsamer Prozess gewesen, in den ich hineingewachsen bin. Deswegen kann ich gar nicht sagen, wo der Schnitt war zwischen Elektriker und bekannter Austropopper.

Musikalisch sind Sie, Josh., ebenfalls bereits lange dabei ...

Josh.: Das war auch etwas, das mich, unter Anführungszeichen, gerettet hat. Weil mit den Jungs, mit denen ich jetzt auf der Bühne stehe, habe ich, mit Ausnahme von einem, vorher schon jahrelang Musik gemacht. Der große Unterschied war dann, dass ich sie nun bezahlen konnte. Aber ich bin mit derselben Partie im Bus gesessen und das erdet einen halt, das sind deine Freunde, mit denen du angefangen hast, Musik zu machen. Selbst wenn du einen Hit hast, kannst du nicht sagen, ich schlaf jetzt nicht mehr im Doppelzimmer.

Apropos musikalischer Werdegang. Als Kind weckte ursprünglich das Schlagzeug Ihre erste große Begeisterung.

Josh.: Ja, aber nur vom Hören, ich habe es nie wirklich probiert. Wir wohnten in den Alt-Erlaa-Bauten und da war natürlich klar, dass mir meine Eltern kein Schlagzeug kaufen. Mein Vater hat Gitarre gespielt und ich dachte mir, wenn ich einmal so gut Gitarre spielen kann wie er, dann höre ich auf. Das habe ich dann zum Glück nicht gemacht.

"Ich mache Musik und bin in Bands, seit ich 15 war. Das ist ein ganz ein langsamer Prozess gewesen, in den ich hineingewachsen bin." 
- © Tatjana Sternisa

"Ich mache Musik und bin in Bands, seit ich 15 war. Das ist ein ganz ein langsamer Prozess gewesen, in den ich hineingewachsen bin."

- © Tatjana Sternisa

Speer: Auch da gibt’s Parallelen. Mein Bruder hat Schlagzeug gelernt - und ich wollte das ebenfalls! Dann meinte meine Oma, willst du nicht Gitarre lernen, dann können wir gemeinsam mit dem Bruder spielen. Die erste Gitarre schenkte mir mein Papa, da war ich sechs Jahre alt. Mit 12 ging ich in die Musikschule, was mir aber ziemlich schnell auf die Nerven gegangen ist, weil ich wollte Gitarre spielen, aber die Gitarre war ein Jahr lang eingepackt, weil wir nur mit dem Notenheft dagesessen sind. Letztlich war es mein Onkel, der mir auf der Gitarre die wichtigsten Dinge beigebracht hat. Seitdem habe ich diese Riesenliebe zum Gitarrespielen.

Josh.: Für mich ein Meilenstein war sicherlich das "Unplugged"-Album von Eric Clapton. Bis dahin habe ich nur Klassik gemacht und Etüden geübt. Meine ersten Aufnahmen waren ein Gitarrenquintett mit Werken von Bach und Tschaikowsky. Dann fand ich Claptons Musik so toll und hatte das große Glück, dass meine Lehrerin Verständnis dafür hatte. Sie meinte, dass wir es ja einmal spielen können. Das war für mich zunächst völlig unvorstellbar. Aber sie sagte, natürlich ist das möglich, ich bringe es dir bei. Ab diesem Zeitpunkt war mir klar, okay, wenn ich übe, kann ich das einmal spielen - daher sollte ich üben.

Sie haben mehrere Jahre am Konservatorium studiert, anfangs mit Schwerpunkt auf Jazz, zuletzt Instrumental- und Gesangspädagogik mit Schwerpunkt Popularmusik. Wie kam es zu dieser Wende?

Josh.: Zunächst dachte ich mir, Jazz wäre geil, weil da gibt es viele Improvisationen. Aber den ganz modernen Zugang habe ich nie gefunden, ab Bebop ist es mir zu steil geworden. Ich mag die alten Sachen, beispielsweise von Django Reinhardt. Gleichzeitig hörte ich immer heimlich Pop. Bryan Adams habe ich geliebt und fast geweint, wenn diese schönen Melodien gekommen sind. Leider etwas spät, aber immerhin, fasste ich dann den Entschluss, mich der Popmusik zu widmen und begann, wieder eigene Songs zu schreiben. Zu meinem ersten Song, den ich nach achtjähriger Pause geschrieben hatte, meinte ein Jazzkomponist, du kannst doch nicht in der zweiten Strophe schon wieder dieselben Akkorde verwenden. Ich dachte mir, doch! Ich will das, ich finde das schön.

In welcher Richtung waren Ihre ersten musikalischen Schritte bzw. Songs?

Speer: Angefangen hat es mit ganz banalen Covers von Nirvana oder den Foo Fighters. Dann habe ich begonnen, eigene Nummern zu schreiben, die so klingen hätten sollen wie die Musik, die man selbst gern gehört hat. Mit der Zeit entwickelt man sich weiter, es gab zwei Bands, aber erst mit Seiler und Speer hat es wirklich angefangen, dass ich die Musik mache, die ich wirklich meine und fühle.

Bei Seiler und Speer ist das Komponieren Ihr Part?

Speer: Dadurch, dass ich viel auf der Gitarre herumklimpere, gibt’s immer einige Melodien und Ideen - und die serviere ich Herrn Seiler dann quasi auf dem Tableau und er macht was draus oder auch nicht. Bei uns ist das tatsächlich eine 50:50-Geschichte. Er ist auch unser Lyriker, ich schätze es total, was er künstlerisch draufhat. Ich habe auch schon Texte geschrieben, brauche dazu aber ewig. Für meine Solonummer "Weg vo do" habe ich sicher eine Woche benötigt. Bei ihm ist der Text manchmal in zehn Minuten fertig.

Josh.: Die erfolgreicheren Nummern sind ohnehin meistens diejenigen, die aus einem Guss kommen. Inhaltlich ist es bei mir so, dass ich einfach von Dingen erzähle, die ich erlebt habe. Die Liebesgeschichte, die man mit 14 erlebt hat, erzähle ich halt jetzt eine Spur anders, das kann man ja ausschmücken - und so ist es bei mir eine Wolke aus Fiktion und Wahrheit. Das meiste ist aber tatsächlich aus meinem Leben, deshalb erzähle ich nicht viel Privates bei Interviews, weil ich mir denke, wenn man sich das Album anhört, kennt man mich eh.

"Ich erzähle nicht viel Privates bei Interviews, weil ich mir denke, wenn man sich das Album anhört, kennt man mich eh." 
- © Tatjana Sternisa

"Ich erzähle nicht viel Privates bei Interviews, weil ich mir denke, wenn man sich das Album anhört, kennt man mich eh."

- © Tatjana Sternisa

Zusätzlich gibt es seit 21. Juni eine neue Plattform, Sie beide noch besser kennen zu lernen: Ihren gemeinsamen Podcast "Eins komma zwei Kamille". Von wem stammt die Idee?

Speer: Es war seine Idee.

Josh.: Hintergrund dafür ist, dass solch ein Interview, wie wir es hier führen, sehr selten ist. Meistens sind die Gespräche themenbezogen und es geht ausschließlich um einen neuen Song oder ein aktuelles Album. Irgendwann kam der Wunsch auf, auch über Dinge zu reden, die einen als Mensch beschäftigen. Und ich wollte das gerne zu zweit machen, wusste aber nicht, mit wem gemeinsam ich so einen Podcast machen könnte. Als ich dann Bernhard kennenlernte, musste ich nur noch den Mut aufbringen, ihn zu fragen - und er hat sofort gesagt, dass er die Idee auch schon gehabt hätte.

In der ersten Folge, "Eine Kuh namens Linda", hat man das Gefühl, Josh. hat eher die Rolle des Moderators inne und bringt die Fragen ins Spiel.

Speer: Er ist vorbereitet und ich schau, was kommt. Was mir daran so gefällt, ist, dass wir beim Podcast einfach unsere Meinung kundtun können, wir müssen nichts weichspülen oder irgendwie hintrimmen, damit man uns im Nachhinein keinen Strick daraus drehen kann. Bei Interviews ist man doch immer eher in der Rolle des Künstlers und denkt sich, kann ich das jetzt sagen oder nicht?

Welchen Erscheinungsmodus hat Euer Podcast?

Josh.: Jeden zweiten Dienstag gibt es eine neue Folge. Mir macht das viel Spaß. Bernhard kann mit unfassbarem Humor Dinge betrachten, gleichzeitig lerne ich viel von ihm, weil er sich weniger pfeift als ich - und das ist gut so.

Bernhard Speer hat das zuvor angesprochen, dass Sie mit sehr großem Ernst und Fleiß an Dinge herangehen. Hat das mit dem Wunsch nach Perfektionismus zu tun?

Josh.: Ich möchte den Perfektionismus nie so weit treiben, dass man davon gefangen wird und nicht mehr frei von der Leber weg Künstler sein kann. Was mir unglaublich wichtig ist, und deswegen habe ich die letzten Jahre so viel gearbeitet: Ich spiele einfach wahnsinnig gerne Livekonzerte - und die schenkt einem keiner! Du kannst nicht sagen, ich habe auf Ö3 zweimal am Tag einen Song laufen, dann buche ich mir den Gasometer und der wird voll. Das passiert einfach nicht, das muss man aufbauen. Bis vor einem Jahr bin ich zu den meisten Gigs noch selbst mit dem LKW gefahren, habe viele Dinge organisiert und mitgestaltet. Im Grunde habe ich eigentlich nur deshalb oft 60, 70 Stunden in der Woche gearbeitet, damit ich dabeibleiben darf. Also nicht streberhaft im Sinne von: ich muss jetzt perfekt sein, sondern ich würde eben gerne 2035 immer noch auf Tour gehen. Und da habe ich das Gefühl, ich muss jetzt die Basis dafür legen.

Weitere Folgen der Reihe "Seelenverwandte":

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