Es gibt diese Bonmots, die weltberühmt sind, während der Urheber rätselhaft bleibt. Ein Paradebeispiel: "Für mich gibt es nur zwei Arten von Musik - gute und schlechte." Wer hat’s erfunden? Das Internet spuckt dazu etliche Namen aus, darunter Duke Ellington, Louis Armstrong, Leonard Bernstein.

Gut möglich, dass sie alle diesen Satz gesagt haben, der einem Schubladendenken eine pointierte Absage erteilt - und wohl darum noch heute musikalischen Grenzgängern oft über die Lippen kommt. Wie Fabian Rucker. Der Mittdreißiger aus Salzburg ist gewissermaßen ein Hansdampf in allerlei Stil-Gassen: An sich als Jazz-Saxofonist ausgebildet und in dieser Eigenschaft international erfolgreich, streift er gern auch an den Bereichen Hip-Hop, Rock und Elektronik an. Seine vielfältigen Interessen fließen nun in einer Premiere zusammen: Am 19. August eröffnet Ruckers neues Quintett, schlicht Rucker genannt, das Hauptbühnenprogramm des Jazzfestivals Saalfelden.

Von New York nach Wien

Wie das klingen wird? Wie ein Mix aus Jazz, improvisierter Musik und nicht zuletzt Elektronik, befeuert von einer diesbezüglichen Experimentierlust der Musiker, beschreibt Rucker im Vorgespräch. Wobei: Man solle sich das Klangbild jetzt auch nicht ungeschlacht vorstellen. "Das wird kein reines Soundgewitter sein, die Stücke besitzen Strukturen." Dabei würde "die Grenze zwischen Komponiertem und Improvisiertem verschwimmen". Vermischen werden sich im Laufe des musikalischen Geschehens wohl auch verschiedene Stile: "Ich denke beim Schreiben von Musik nicht in Kategorien."

Personell wird die neue Gruppe Partner Ruckers von dies- und jenseits des Großen Teichs vereinen: Aus Österreich sind der Schlagzeuger Peter Kronreif und der pianistische Weggefährte Philipp Nykrin (schon Partner bei dem gefinkelt-jazzrockigen Trio Namby Pamby Boy) zugegen, aus New York der Gitarrist Mike Gamble und der Bassist Kurt Kotheimer.

Rucker selbst hat in der US-Metropole rund fünf Jahre verbracht. Der Grund für den ersten längeren Aufenthalt: dass er 2008 das New-York-Stipendium des (längst eingesparten) Hans-Koller-Preises gewonnen hatte. Jim Black, der experimentierfreudige Drummer und Saalfelden-Stammgast, lud Rucker dann ebenfalls in seine Heimat ein. Und: "Als mich dann der Schlagzeuger Bobby Previte in seine Band geholt hat, vor elf Jahren, war relativ klar, dass ich nach New York gehen würde." Es folgten Jahre des Hin- und Herpendelns zwischen der Alten und der Neuen Welt, schließlich der Bezug einer Wohnung in der Wolkenkratzer-Stadt.

Die Lebensphase endete allerdings mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie, Rucker kehrte nach Österreich zurück. Die Krise traf ihn hier nicht mit existenzieller Wucht. Im Gegensatz zu vielen Kollegen "war ich relativ gesegnet", erzählt er. Hilfreich war zum einen, dass ihm die Anton-Bruckner-Universität, seine eigene Ausbildungsstätte, einen Lehrauftrag für Saxofon und Musikproduktion erteilte. Zum anderen mehrten sich die Einkünfte aus einer anderen Verdienstquelle - dem Produzieren von Tonträgern. Rucker hatte damit schon als Teenager begonnen; ab 2020 hatten "die Leute viel Zeit, um aufzunehmen, und für mich gab es ziemlich viel Arbeit im Studio." Rucker hat in dieser Tätigkeit auch Alben von Charlie Hunter oder des erwähnten Bobby Previte den letzten Schliff verliehen. Als Musiker und Tontechniker, so dokumentiert es seine Homepage, war er seit dem Jahr 2004 an knapp 50 Alben beteiligt.

Gewachsen ist über die Jahre auch seine Liebe zu den verschiedenen Mitgliedern der Saxofonfamilie: Nach einem Beginn am Alt-Instrument und einer Hinwendung zum Sopransaxofon hat er sich in den Vorjahren immer stärker auf das Tenorhorn eingelassen. Warum? Weil es das Ausdrucksmedium von John Coltrane, Wayne Shorter und Charles Lloyd ist, die er als Inspirationsquellen verehrt. Auch als Fan des verstorbenen Michael Brecker outet er sich.

Auf welchen Saxofonen er in Saalfelden spielen wird, werde sich erst in den nächsten Tagen, während der Proben des Quintetts, entscheiden. Rucker: "Was uns allen in der Band wichtig ist: Sound! Es geht darum, wie es klingt und dass es ineinander greift. So wie ich es mir jetzt vorstelle, wird es auf jeden Fall sehr farbenfroh."