Es muss ziemlich anstrengend sein, in der Haut der Yeah Yeah Yeahs zu stecken. Die Band um die akut zur Pose neigende Sängerin Karen O und den mit andiniertem Blick und fadem Mundwinkel Weltverachtung und negative Gefühle zum Ausdruck bringenden Gitarristen Nick Zinner zwängt sich gerade wieder in die alten Lederjacken und steht noch zur finstersten Nachstunde bemüht cool mit Sonnenbrille in der Gegend herum, ohne auch nur auf die Idee zu kommen, eine Augenentzündung vorzutäuschen.

Hey, das nennt sich Rock ’n’ Roll! Niemand hat je behauptet, dass es gemütlich sein würde, der Welt als Nachtschattengewächs auf dürren Beinen zu demonstrieren, wie abgebrüht man bitte überhaupt sein kann.

Sundowner

Gemeinsam mit ihrem bevorzugt hinter dem Schlagzeug verschanzten, mit Sonnenbrille aber gleichfalls sehr lässigen Schlagzeuger Brian Chase kehrt das US-Trio jetzt aus einer kleineren Auszeit zurück, die sich auf beinahe zehn Jahre verlängert hat. Zeit wurde im Rock ’n’ Roll grundsätzlich dafür erfunden, verschwendet zu werden. Außerdem sind zumindest zwei Drittel der einst synonym für die Hipsterseite New Yorks stehenden Band in der Zwischenzeit nach Los Angeles gezogen, um dort unter Ausschluss der Öffentlichkeit einmal auszuprobieren, wie die Welt ohne Nasenfahrrad aussehen könnte und bei Einnahme des einen oder anderen Sundowners mit Anfang 40 außerdem den Rock-Vorruhestand zu genießen. Oh mein Gott, Karen, hast du eigentlich gewusst, dass Palmen in Wahrheit gar nicht schwarz sind?? An sehr guten Tagen war es wahrscheinlich sogar nötig, Nick Zinner wie einst Alexander der Große dem alten Kyniker Diogenes von Sinope ein wenig aus der Sonne zu gehen. Aber pssst!

"Cool It Down"-Albumcover.

"Cool It Down"-Albumcover.

Für ihr am Freitag erscheinendes neues Album mit dem frech von Velvet Underground gestohlenen Titel "Cool It Down", der sich hier allerdings auf den Klimawandel beziehen soll, der in den Songs selbst dann aber eh nur in einer Gastrolle auftritt, hat die Band jetzt aus beruflichen Gründen jedenfalls doch wieder in die Klischeekiste gegriffen. Die Yeah Yeah Yeahs kehren im kessen Vamp-Look nach Vorbild einer aus der Garage gestolperten Protopunk- oder einer verstrahlten Surf-Band zurück, die nicht das kalifornische Strandleben, sondern die dunkle Seite des Mondes erkunden will.

Man soll das Publikum nur nicht mit radikalen Neuinszenierungen irritieren, um damit einst mühsam aufgebaute Erwartungshaltungen zu unterlaufen. Es sollte reichen, dass die Yeah Yeah Yeahs ihren gegen den Strich gebürsteten und ordentlich überdrehten Art-Punk aus Zeiten ihres Debütalbums "Fever To Tell" von 2003 bereits mit ihrem dritten Album "It’s Blitz!" im Jahr 2006 gegen einen Sturm auf den Dancefloor ausgetauscht haben.

Slow Burner

An ihre damals erfolgte Hinwendung zum Synthesizer knüpft die Band aktuell wieder an. Sie löst die Tanzbarkeit seinerzeitiger Hits wie "Heads Will Roll" allerdings mit einer Wucht ab, die dem gedrosseltem Tempo entspringt. Vor allem die als Slow Burner recht mächtige Vorabsingle "Spitting Off The Edge Of The World" mit einem Kurzauftritt von Mike Hadreas alias Perfume Genius als Gastsänger demonstriert recht überzeugend, was damit gemeint ist. Hier wie auch im als Tagtraum gereichten Nachhall "Mars" zum Abschluss macht sich Karen O als in der Zwischenzeit Mutter gewordene Sängerin darüber Gedanken, welche Welt ihre Generation dem Nachwuchs einmal hinterlassen wird.

Aber auch zwei weitere Hits hat das Album im Angebot. Während "Burning" entlang des alten Songs "Beggin’" der US-Band Four Seasons, die dafür auch Tantiemen erhält, mit entsprechender Vintage-Patina zurück in die 1960er Jahre entführt, orientieren sich die Yeah Yeah Yeahs bei "Wolf" eher an den Pet Shop Boys - oder am Eurovision Song Contest. Mit dem mit dem Funky Drummer auffahrenden "Fleez" ist aber auch eine Referenz an die vielfach gesampelte New Yorker Funk-Rock-Band ESG mit dabei, während es Karen O mit "Lovebomb" zwischendurch sinnlich anlegt und bei "Different Today" die Sonne dann tatsächlich auch musikalisch durch den Vorhang ins Wohnzimmer fällt.

Die Ökonomie der Coolness ist am Ende übrigens auf jeden Fall demonstriert. Mit gerade einmal siebeneinhalb Songs und lediglich 32 Spielminuten hat sich das Album dem in Bandkreisen beliebten Skinny-Fit-Look bestens angepasst.