Suede: Autofiction (BMG)

Nach ihrem Ausflug ins semi-orchestrale Fach mit dem recht dramatisch im Breitwandsound erklingenden Album "The Blue Hour" (2018) unter Regie von Alan Moulder kehrt die britische Band Suede um Sänger Brett Anderson zu ihren Wurzeln zurück. Gemeinsam mit ihrem Langzeitproduzenten Ed Buller wurde diesmal wieder an einem schnörkellosen Sound unter Live-Vorzeichen gearbeitet, der Anderson sogar dazu verleitete, von der "Punk-Platte" seiner Band zu sprechen – auch wenn man ihr das nicht anhört. Overdubs spielten im Aufnahmeprozess jedenfalls nur eine Nebenrolle.

Der Albumtitel legt es teilweise nahe: "Autofiction" versammelt einige der persönlichsten Songs aus Andersons Feder – wie etwa die Auftaktsingle "She Still Leads Me On" über den Tod seiner Mutter. Und auch halbbiografische Erinnerungen an die eigene Jugend stehen dabei auf dem Programm: "Afternoons in bedrooms with TV meals / Lying in the road and under your wheels / And people think they know how you feel . . .", heißt es dazu recht nachvollziehbar etwa in "15 Again", das, kräftig im Midtempobereich angesiedelt, diesmal um Klavier erweiterte Balladen wie "Drive Myself Home" oder "What Am I Without You" kontrastiert.

Eine neue Generation an Hörerinnen und Hörern werden sich Suede mit diesen elf Songs nicht erspielen, die Stammgemeinde hingegen schätzt sich glücklich. Zu Hause in England wurde mit Platz zwei auch wieder ein Charts-Erfolg eingefahren.

Die Sterne: Hallo Euphoria (PIAS)

Auf dem zweiten Album seiner personell umgebauten Sterne pendelt Sänger, Texter und Tanzbär Frank Spilker einmal mehr zwischen Autorenfunk und Krautrock-Wiedergängen, wobei diesmal ein Mehr an (Easy-Listening-)Streichern ("Stellt mir einen Clown zur Seite") einerseits und an Querverweisen andererseits auffällt. Zumindest kann man sich an einen expliziteren Nachbau als die unüberhörbare Neu!-Hommage des Titelstücks im Gesamtwerk der Band nicht erinnern. Dass zumindest die Strophen der von einfallenden Noise-Gitarren interpunktierten Zeitdiagnose "Niemand kommt unschuldig raus", bei der sich Spilker sympathischerweise selbst nicht ausnimmt, an die Kollegen von Element Of Crime erinnern, dürfte hingegen eher passiert sein.

So sehr der Albumtitel "Hallo Euphoria" den Krisen unserer Zeit auch mit einer Frohbotschaft trotzen will, ganz so einfach wird dieses Unterfangen auf dem mittlerweile 13. Streich der Hamburger Institution nicht werden. Die Frustrationen des Alltags ("Alter, ich könnte mich / Immer so aufregen / Das mit dem Ruhigbleiben / Muss man auch erst mal hinkriegen", wie es in "Spilker mittendrin" so schön heißt), des Unerreichbaren ("Alles was ich will") oder im Trott so ziemlich jeder mehr oder weniger (un-)bedeutenden Stadt Deutschlands ("Gleich hinter Krefeld") sind die eine Sache. "Wir wissen nichts" ist mit seinem akustischen Trauerflor und dem resignativen Text im Kosmos der Sterne dann aber tatsächlich auf der desperaten Seite gelandet.

Nur zwei Jahre nach dem selbstbetitelten Vorgängerwerk werden mit "Die Kinder brauchen Platz" glücklicherweise auch jene Freiräume wieder eingefordert, die sich die Band mit Stücken wie "Die Welt wird knusprig" gleich selbst erspielt. "Die Sterne haben ein Lied zu singen / Lieder, die dich dazu bringen / Huf und Arsch und Hirn zu schwingen / So, wie Sterne eben klingen." Ja, es stimmt: Wen es dabei nicht auf den Dancefloor zieht, der ist für den Dancefloor für immer verloren.

Live am 14. Oktober im Wiener WUK sowie am 15. Oktober im Linzer Posthof.