"I was a poor nigga, now I’m a rich nigga": Eigentlich würde man ja gerade sehr gerne erfahren, warum der US-Rapper 50 Cent laut ungefähr jedem seiner Songs irgendwann so immens reich wurde, dass er im Jahr 2015 Privatinsolvenz anmelden musste, um einer Schadenersatzklage zu entgehen. Die ergab sich daraus, dass der Mann eine Art Erwachsenenfilm ohne die Genehmigung der Protagonistin im Internet hochgeladen hatte. Warum liegt hier überhaupt Stroh? Schön blöd: Derzeit ist der im Jahr 2003 mit seinem programmatischen Debütalbum "Get Rich Or Die Tryin’" temporär zur Hip-Hop-Größe gewordene Rapper und "Unternehmer" mit einem sehr interessanten Tourplan unterwegs, um sich live über ein Publikum zu sanieren, das heute noch bereit ist, für 50 Cent bis zu 150 Euro auszugeben.

Viele Gratistickets

Doch frage nicht. Bei seinem Wien-Konzert am Mittwochabend in der Stadthalle funktioniert das nur so mittel. Immerhin befindet man sich gerade in einer auffällig langen Warteschlange, an deren Ende nicht die Abendkassa, sondern die Gästeliste steht. Damit die letztlich halbvolle Halle trotz teils abgesperrter Ränge und nicht ausverkauften Stehparterres nicht zu trostlos aussehen wird, wurde ganz einfach das Kontingent an Gratistickets dramatisch erhöht. 50 Cent weint nicht! Es sei denn, jemand fickt sein Vermögen.

Gut möglich also, dass sich die Umstände auf die Stimmung niedergeschlagen haben, jedenfalls wird den akkreditierten Journalisten vor Ort der Zugang verwehrt. 35 sehr lange, mit Däumchendrehen und Branchengesprächen überbrückte Konzertminuten müssen draußen im Foyer vergehen, bis man es am Ende doch noch in die Stadthalle schafft. Was der in Wien bisher nicht in Erscheinung getretene Veranstalter Streetlife International aus Berlin beruflich macht, man weiß es nicht. Konzerte werden es in nächster Zeit aber hoffentlich keine mehr sein.

In der Stadthalle hat 50 Cent den Großteil seiner bekanntesten Tracks zu diesem Zeitpunkt bereits hinter sich gebracht. "Many Men (Wish Death)", "P.I.M.P.", "What Up Gangsta": Sie stammen mehr oder weniger alle von seinem Debütalbum und gehen der Frage nach, wie man sein Geld am besten, also am einfachsten verdient. Sagen wir so, im Büro sicher nicht. Man könnte stattdessen Drogen verchecken, Frauen auf die Straße schicken und sich Schusswaffen organisieren, um den gottverdammten feindlichen Mutterfickern da draußen nicht als Kugelfutter zu dienen!

Blingbling

50 Cent hat bereits neun Schüsse weggesteckt. Das nennt sich Street Credibility. Er steht jetzt allerdings im einst bei illegalen Aktivitäten unter ziemlich besten Feinden nicht für möglich gehaltenen Alter von sensationellen 47 (!!) Jahren im relativ sicheren Wien herum und wundert sich wahrscheinlich selbst darüber, dass er mit "Is This Love" ausgerechnet Bob Marley "interpretiert". Auf der Bühne wird dazu ein Ofen geraucht. Wenn die Live-Band, die beiden Gastrapper sowie eine Nachtclub-Stripperinnen zum Besten gebende Tanz-Abordnung irgendwann vielleicht Teil der Konkursmasse werden, war heute wenigstens noch ordentlich Party angesagt. Vienna, make some fucking noise!!

Samt Turntables, Live-Schlagzeug und mit einem Gitarristen, der das eine oder andere eher nach einer altgedienten Rockband klingende Solo vor allem deshalb herunternudelt, damit 50 Cent auch mit einer möglichst minimalen Rap-Nettozeit maximalen Income lukriert, wird im medleyhaft Kurzversion an Kurzversion reihenden Eilverfahren für einen Soundbrei gesorgt, bei dem man sich niemals sicher sein kann: Hört man mit "No Romeo, No Juliet" auch den einzigen neueren Song seit der ab 2014 eingelegten Albumpause, bei dem es mit Shakespeare auf den Straßenstrich geht, oder ist das doch der gute alte Pornorap aus den goldenen Zeiten, als es einschlägige Inhalte auch noch auf VHS-Kassetten zu sehen gab? Worum es sich bei einem "Magic Stick" handelt, wollen Sie übrigens gar nicht wissen. Von 50 Cent, heute im kess auf Blingbling verweisenden Ferrari-T-Shirt, hört man immerhin die Fuck-Shit-Bitch-Nigga-Passagen noch recht deutlich. Kunststück, sie kommen in den Texten ja auch sehr oft vor.

Das Konzert dauert bereits sehr lange, als es 25 harte Minuten später auch schon wieder vorbei ist, um in eine kurze Verschnaufpause und dann in den Zugabenblock zu gehen. Warum wir heute eigentlich hier sind, ist dann dafür endlich auch auf der Videowall zu sehen. Dort sorgen sehr viele Dollarnoten dafür, dass 50 Cent sogar ein Lächeln über die Lippen kommt – auch wenn es ein wenig gequält aussehen mag wie bei einem Panzerknacker kurz vor der Verhaftung.

Nach Belo Horizonte in Brasilien und Wien steht am Freitagabend übrigens ein Auftritt in der "Coca Cola Arena" in Dubai auf dem Programm. Das Konto schläft nicht. $ $ $.