Die verlockendsten Dinge im Leben sind oft die, die verboten sind. Das weiß auch die Sängerin Verifiziert. Bereits im jungen Alter von 13 Jahren schmuggelte sich die Wienerin in das Szenelokal Flex – ihr erster Clubbesuch, wie sie dem Publikum und erstmals auch ihrer Mutter offenbart. Niemals hätte sie sich gedacht, dort selbst aufzutreten. Am Freitagabend gab sie dort ihr erstes Wien-Konzert und stand vor einer ausverkauften Halle auf der Bühne. 

Mit Sonnenbrille im blonden Haar und schwarzem Rollkragenpulli führte die Musikerin durch das dichte Programm. Das Rampenlicht teilte sich Verifiziert mit Kollegen des Wiener Hiphops wie Bibiza, Eli Preiss, Skofi und Donna Savage. Unterstützung erhielt sie außerdem aus Deutschland – unter anderem heizten Rapper LGoony und Produzent Florida Juicy der Menge richtig ein.  

Respekt!

Wer gemäß klassischen Rap-Klischees nur aggressive Moshpits und Chaos erwartet, ist bei Verifiziert falsch. Respektvoller Umgang miteinander wird vor und auf der Bühne gelebt. Der 25-Jährigen gelingt es dadurch gekonnt, gefühlvolle Lieder, wie "Stromausfall" mit fetzigen Beats á la "Lady Boba" zu kombinieren und somit für ausgelassene Stimmung zu sorgen. Letzteres bringt noch einmal Sommer-Vibes in das graue Wien: das von Bubble Tea aus der Dose inspirierte Stück ist voll mit sprudelndem Sound. In den Pausen zwischen den Songs spaßt sie mit dem Publikum herum und erkundigt sich immer wieder nach ihrer Mama, die bei der ausverkauften Show natürlich nicht fehlt. Dass die Künstlerin aufgrund von Nervosität eigentlich nie Konzerte spielen wollte, merkt man ihr definitiv nicht an. Das Auditorium scheint ebenso viel Spaß zu haben, wie die Sängerin und ihre Kollegen selbst.

Die Fans kennen Wien wie ihre Westentasche – die Texte der österreichischen Musiker nehmen oftmals Bezug auf den Alltag in der Hauptstadt. Das kommt bei den Anhängern gut an: Als die ersten Beats zu Rapper Bibizas "Opernring Blues" erklingen, steht kein Bein mehr still. Der Wiener holt mit seinen Songs die Menge komplett ab. Einen Vorgeschmack auf den nächsten Hit bekommen Fans als Bibiza gemeinsam mit der Gastgeberin eine noch unveröffentlichte Kollaboration zum Besten gibt. 

Das Genre hat kein Geschlecht

Für gute Stimmung sorgt aber nicht nur der junge Wiener. Verifiziert, Donna Savage und Eli Preiss mischen derzeit die Männerdomäne des Raps auf. Female Empowerment und Rap passen für viele nicht zusammen. Das wissen auch die Künstlerinnen: "Ich existiere nur, schon fühl'n sich Rapper angegriffen", singt Eli Preiss in ihrem Lied "Glühheiße Wüste". Das Programm des Abends beweist aber erfolgreich, wie viele Ansichten der Musikbranche veraltet sind. Mit Hits wie "LVL UP" und "Aba Warum" zeigt Eli Preiss abermals, dass das Genre kein Geschlecht hat.

Verifiziert & Friends zeigen, wie die Zukunft der Wiener Musikszene aussehen kann. Mit lässigen Texten, viel Charme und coolen Beats füllen die Musiker das zweistündige Konzert. Sie bringen frischen Schwung in ein Genre, das im deutschsprachigen Raum oft unterschätzt wird.