Wer einmal so richtig schön auszucken und seinen Humor dabei trotzdem nicht verlieren will: Leute, Franz Fuexe sind eure Band! Immerhin eröffnet das Mostviertler Quartett mit dem politisch mehr als inkorrekten Namen sein selbstbetiteltes neues Album mit dem Song "Räuber der Herzen" gleich einmal auf eine Weise, die außer einem aus Leistungsverweigerern und anderen Staatsfeinden bestehenden Publikum vor allem auch den Verfassungsschutz auf den Plan rufen sollte. Aaarrgh! Du depperte Sau!! Franz Fuexe lassen es raus. Warum positive Gefühle haben, wenn man auch negative loswerden kann? Wenigstens die sind heute ja noch zum Saufüttern vorhanden.

Danke, Oasch

Die Lage ist ernst, sie ist beschissen. Franz Fuexe haben für sie bereits von Anfang an die adäquate Sprache gefunden. Ihr Hit "Danke, Oasch" aus dem programmatischen Debütalbum "Nihilismus 0.0" von 2015 etwa gab die passende Antwort auf im Grunde alle denkbaren Fragen. Wie geht’s dir heute? Danke, Oasch! Wie läuft es in der Arbeit? Danke, Oasch! Wie soll es weitergehen? Heast, wie soll ich das wissen, du Wappler!? Und so weiter und so fort: Songs von Franz Fuexe tragen Titel, mit denen eigentlich alles gesagt ist ("Jeden Tog da söwe Scheiß"), oder sie gehen, sofern nicht gerade Probleme mit der Exekutive verhandelt werden, den Widrigkeiten einer typischen Landjugend nach. Wie hieß es ebenfalls 2015 etwa im schönen Song "Zötfest"? "Für zwanzg Euro Eintritt kannst di söchn lossn im Rauch vo zigtausend Tschick / Nua fette Nazis de Brodhendl fressn / d’Musi spüt auf, hot die Notn vagessn / Zötfest, Zötfest / Ned mit mir! / Nie mehr!"

Nach politischen Standortbestimmungen wie "Everybody Linksextrem" und tatsächlich sehr lustigen Musikvideos über das Aufmischen einer Boboparty durch eine Moperlgang ("Kaunst da denga") oder zuletzt 2019 auf heiterem Kellerderbyniveau mit "Hoit de Goschn (Rapid spüd)" nimmt die Band mit "Garten = Leben" jetzt pünktlich zum zehnjährigen Bestandsjubiläum auch das Leben hinter der Thujenhecke ins Visier. Das Alter, um in der Freizeit ein wenig garteln zu gehen, hätten Franz Fuexe ja langsam. Aber Scherz, natürlich stellt sich die Sachlage mit dem im Stil einer einschlägigen Baumarktwerbung gefilmten Musikvideo ("Mach es zu deinem Projekt!" – "Geh scheißen!") etwas komplizierter dar: "So vü trucka, des sog i eich / Und donn da gonze Pollenscheiß / Vastopft de Pumpn, de woa noglneich / So vü Hockn, der gschissene Deich!"

Musikalische Druckablassventile

Gstanzl singen Franz Fuexe dabei allerdings keine. In atemberaubender Geschwindigkeit mit feisten Stakkatoriffs und einem auf (Hardcore-)Punk und Thrash-Metal gebuchten Überschallschlagzeug entsteht zwischen guttural gegrunzten Synonymen für Geschlechtsteile und einer Deklamation im Stile der Beastie Boys ("SABOTAGE!!!") im Mostviertler Dialekt der geschätzte Franz-Fuexe-Stil. Nach einer eineinhalbminütigen Dauerdetonation sind die meisten Songs auch schon wieder vorbei – und man fühlt sich . . . danke, gleich auch ein bisschen weniger oasch.

"Franz Fuexe"-Albumcover.

"Franz Fuexe"-Albumcover.

Die zwölf diesmal von Franz Fuexe bereitgestellten musikalischen Druckablassventile kommen mit Stücken wie "Scheiß auf de Leit" natürlich wieder ohne Genierer daher. Mit dem Maulkorb hat es die Band ohnehin nicht so. Sie knöpft sich stattdessen lieber die Selbstoptimierung, den Turbokapitalismus und die Auswirkungen einer nicht vorhandenen Erbschaftssteuer vor ("Selfmademan"), hat bei dem nach einem amtsbekannten Tunichtgut benannten "Hotzenplotz" Stress mit der He und bekennt sich bei "Moto GP" zu ewiger Unvernunft, Dosengetränken und dem guten alten Verbrenner.

Instagram und "Germany’s Next Topmodel" tauchen bei Franz Fuexe selbstverständlich nur aus einem Grund auf. Sie tauchen auf, um sich zuerst eine Abfuhr und dann eine saubere Watsche abzuholen. Dazwischen sind neue Stücke wie das direkt aus dem auch nicht immer einfachen Alltag einer in Österreich weltberühmten Provinzband gegriffene "Backstage" brüllend komisch und saudeppert zugleich.

Apropos Provinz: In "Death Over Stixenlehen" stolpern Franz Fuexe sehr viele sehr derbe Schimpfwörter von sich gebend mit schwarzen Ray-Ban-Brillen und trockenem Staubwüstentwang durch das heimische Äquivalent der Prärie, das sich diesfalls in der Marktgemeinde Göstling an der Ybbs im Bezirk Scheibbs im schönen Niederösterreich befindet. Die Provinz gebiert Monster. Monster sind nicht dazu da, um sich vor ihnen zu Tode zu fürchten. Monster sind da, um gegen sie aufzubegehren. Nicht mit ihnen, nein, nicht mit uns! Franz Fuexe sind dafür, dagegen zu sein.

Mit dem Song "Panik" gibt uns die Band aber auch noch eine lakonische Botschaft mit auf den Weg. "Es scheißts eich au und i sog: Scheißts eich net au." Existenzphilosophie können Franz Fuexe also auch. Ma voi, he!