"We’ve only just begun / Funky monks are on the run": Der Albumauftakt kommt als explizite Ansage daher. Immerhin demonstrieren die Red Hot Chili Peppers auf ihrem nun erscheinenden 13. Studiostreich gleich zu Beginn mit der ersten Singleauskopplung "Tippa My Tongue", wie man als vorbildlicher Dienstleister und einer der wenigen verbliebenen Wirtschaftsmotoren der Musikindustrie den Polykrisen einer Zeitrechnung begegnet, in der plötzlich auch ein Gespenst namens Rezession umgeht.

Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt: Obwohl die Band um Sänger Anthony Kiedis in ihren Songs sehr gerne und recht tiefenentspannt auch vom Alltag unter der kalifornischen Sonne berichtet, der neben Strand, Sand und Surfer-Girls nicht zuletzt Ausflüge in den Skatepark sowie faule Stunden in der Hängematte verspricht, lässt sie im echten Leben dann doch nicht locker.

Klotzen, nicht kleckern

Im Gegenteil. Bei "Return Of The Dream Canteen" handelt es sich nicht nur um das Album mit dem vielleicht hässlichsten Cover-Artwork der Geschichte, sondern vor allem auch um das bereits zweite (!) Doppelalbum (!!) der 1983 gegründeten Band in diesem Kalenderjahr. Selbstverständlich wird nur sechs Monate nach dem Vorgänger "Unlimited Love" auch auf dem jüngsten Machwerk wieder geklotzt statt gekleckert: Mit 17 in knapp 79 Spielminuten gereichten Songs - 17 gehen noch! - zementieren die Red Hot Chili Peppers ihren Ruf als derzeit vermutlich eifrigste Band des Rockuniversums.

Woher die Produktivität genau rührt, man weiß es nicht, zwei Comebacks, die die aktuelle Schaffensperiode markieren, dürften daran aber nicht unbeteiligt sein. Zum einen kehrte das Quartett heuer in den Mutterschoß seines alten Haus- und Hofproduzenten Rick Rubin zurück, der für den Aufstieg und endgültigen Durchbruch der Band mit dem Album "Blood Sugar Sex Magik" von 1991 zumindest mitverantwortlich war.

Zum anderen handelt es sich bei "Unlimited Love" und "Return Of The Dream Canteen" um die ersten Alben seit "Stadium Arcadium" von 2006, auf denen nach seinem Wiedereinstieg im Jahr 2019 auch ihr einst stilprägender Gitarrist John Frusciante wieder zu hören ist. Fallen seine Parts heute vielleicht etwas weniger ins Gewicht als auf einstigen Großtaten wie "Californication" (1999), macht sich der Mann hier jedenfalls wieder mit seinem gewinnenden Backgroundgesang und dem einen oder anderen sehr markanten Gitarrensolo bemerkbar, das im Falle des Songs "Afterlife" schon einmal wie ein brünftiger Hirsch klingen kann. Dem geht es zum Auftakt der Wildsaison gerade ans Geweih: Rooaarrr!

Dieser Tage ließ aber auch der nunmehrige Ex-Gitarrist der Red Hot Chili Peppers wieder von sich hören, der sich mittlerweile im Live-Line-up von Pearl Jam verdingt. In einem Interview kritisierte Josh Klinghoffer das Festhalten seines vormaligen Arbeitgebers an dessen Routinen: "Sie sind eine etablierte Band mit einem etablierten Sound, und ich habe mit der Zeit gelernt, wie wenig Abweichung davon möglich ist. So sehr ich auch dachte, die Red Hot Chili Peppers seien für Experimente offen, am Ende blieben sie doch immer in ihrer eigenen Spur."

In der Komfortzone

Das bestätigt sich dann weitestgehend auch mit den neuen Songs. Wir hören meist maximal im Midtempo gehaltenen Funkrock, der sich zwischen den tänzelnden (Slap-)Basspuren von Schwerarbeiter Flea und Anthony Kiedis’ wiederentdecktem Hang zum Proto-"Rap" von seinerzeit nicht aus der Komfortzone bewegen will. Das klingt für sich genommen nicht schlecht. Es klingt allerdings auch nicht wirklich aufregend, während sich die bewährte Grundformel in der Dauerschleife zunehmend abnützt. Sämtliche Songs der beiden Doppelalben gehen auf dieselbe Aufnahmesession in Rick Rubins Shangri-La-Studios in Malibu zurück, in der ein großer Teil des Materials beim lockeren Jammen mit Blick auf den Pazifik entstand.

Quantität und Qualität sind in den wenigsten Berufszweigen deckungsleich. Auf "Return Of The Dream Canteen" nimmt man es letztlich sogar dankbar hin, wenn die Red Hot Chili Peppers in einer an sich guten Ballade mit dem eher nicht so guten Titel "La La La La La La La La" zwischendurch auch an Coldplay erinnern. Na geht doch! Wenigstens wird da - endlich einmal - hörbar aus der Spur ausgeschert.