Im kommenden Jahr wird man den Mann in seiner ersten Hauptrolle auch im Kino erleben können. Doch bevor Voodoo Jürgens in Adrian Goigingers neuem Film mit dem derzeitigen Arbeitstitel "Rickerl" auf der Leinwand durch die Welt der Tschumsn und Tschocherln führt, knöpft er sich sein Stammhabitat jetzt erneut musikalisch vor.

Wos? Wie? Wer sogt denn do a so an Kas? Ja, stimmt. Für sein am kommenden Freitag erscheinendes drittes Album mit dem Titel "Wie die Nocht noch jung wor" gilt die Sache mit den Beisln diesmal nur bedingt. Nach seinem Debütalbum "Ansa Woar" aus dem Jahr 2016 mit etwa "3 Gschichtn ausn Cafe Fesch", den mit einarmigen Banditen ausgestatteten Brandinesern und Bauchstichhütten des Nachfolgers "’S klane Glücksspiel" von 2019 und einem Ausflug ins real existierende Café Weidinger am Lerchenfelder Gürtel für seinen im Vorjahr vorgelegten Soundtrack zu "Sargnagel - Der Film" ist jetzt etwas mehr Innenschau angesagt.

Mit Ennio Morricone durch Gaudenzdorf

Doch Vorsicht, Obacht, Gefahr! Gleich zu Beginn droht draußen in der Vorstadt dann doch wieder Ungemach. Voodoo Jürgens und seine Ansa Panier schleichen sich auf leisen Sohlen an und rücken die Außenbezirke mit Anklängen an die großen pathetischen Filmscores Ennio Morricones an die in der Cinecittà errichtete Spaghettiwesternwüste aus einem Film von Sergio Leone heran, in dem - peng! - gerade ein Mann zu Boden geht, während am Himmel bereits die Aasgeier kreisen. Aber Schmäh. Draußen in Gaudenzdorf gibt es erstens keine Aasgeier, und zweitens setzt es dann eh nur die eine oder andere Watsche, die sich gewaschen hat: "Oida geh weida / weida is gscheida / gscheida für di!"

Voodoo Jürgens, der eigentlich David Öllerer heißt und gar nicht aus der guten alten Weanastod, sondern aus Tulln an der Donau stammt, hat sich über die Jahre nicht nur zu einer integrativen Figur der heimischen Musikszene zwischen den durchaus schwierigen Schubladen "Austropop" und "Neues Wienerlied" entwickelt, die nach dem Tod des großen Willi Resetarits im April dieses Jahres noch Hoffnung für die Zukunft verspricht.

Seit seiner realbiografisch von einer Zeit als Friedhofsgärtner untermauerten Debütsingle "Heite grob ma Tote aus" in historischer Nähe zum "Zentralfriedhof und olle seine Toten" von Wolfgang Ambros gilt der heute 39-Jährige definitiv auch als unser Mann, wenn es darum geht, alles Originäre, aus der Zeit Gefallene sowie sehr gerne auch Zwielichtige zu erkunden, das unsere Bundeshauptstadt so ausmacht - oder noch ausmacht, um genauer zu sein. Immerhin legt Voodoo Jürgens den Schwerpunkt auf die Überbleibsel und Restposten wie das Espresso Gitti am Eck, dem die Gentrifizierung durch die nächste Bobobude das (Über-)Leben schwer macht.

Apropos Überleben: Mit seinen neuen und jetzt wie etwa im Trümmersound des nachtschwarzen Instrumentals "Odessa" um etwas mehr Jazz erweiterten Songs singt Voodoo Jürgens in "Beses End" oder "Lassalle Stroßn" frei nach Christine Nöstlinger wieder "iba de gaunz oamen Leit". Stichwort Mietkosten-Blues und Fixkosten-Dilemma: "Nix gibt’s und des wos gibt is z’teia / Hauptsoch die Mieten wern no teira heia." In Stücken wie "Hoiber Preis" wiederum regiert dann die Rabattschlacht im schallenden Humptata- und Tschingderassabum-Sound einer von der Ansa Panier mit hörbarer Lust errichteten Zirkusfolklore. "Wer wü, wer mog, wer hod no ned?"

Feuchte Augen

Neben der hübschen Auftaktsingle "Es geht ma ned ei", mit der Voodoo Jürgens seine Pop-Qualitäten im Refrain stärker als bisher betont und ein Stück weit auch zu seinen Wurzeln im Indierock zurückfindet, sowie der in Rotlicht getauchten Milieustudie "Stöckelschuach" erklärt der Song "Zuckerbäcker" dann auch explizit, warum es für den Sänger - und seine Hörerschaft - gut und richtig war, eine Lehre als Konditor seinerzeit abgebrochen zu haben: "Drei Johr haums erm ongschrian / Drei Johr kennan se zahn / Drei Johr am Oasch da Wöd fohrn / Am Obnd daunn wieda ham ..."

Sehr einnehmend ist diesmal aber nicht zuletzt der Song "Loss mas bleibn" geraten, der im Sound eines Hosentürlreibers aus der Jukebox zum Engtanz lädt. Ein Liebeslied von der Jugend bis zur Bahre macht uns dann auch noch die Augen feucht: Was für Leonard Cohen "Dance Me To The End Of Love" war, dürfte bei Voodoo Jürgens jetzt "Federkleid" heißen. Das ist buchstäblich zum Heulen schön.