Mit "Silence Wore A Silver Coat" hat die Hamburger Singer-Songriterin Stella Sommer - auch bekannt als Frontfrau, Stimme und Kopf der Band Die Heiterkeit - soeben ein Doppelalbum veröffentlicht, das mit nonchalanter Leichtigkeit Ausdruck und Atmosphäre kurzschließt und nicht weniger als 24 kontemplativ-mäandernde, romantisch-dunkle und zugleich Trost spendende Songs umfasst.

Die Beats sind verhalten, elegische Orgel- und Streicherarrangements ziehen wie Nebel auf, jedes Instrument erhält seinen adäquaten Platz und hallverhangene Chöre ergänzen das Klangbild auf stimmige Weise. Aber letztlich ist es vor allem Stella Sommers dunkle Stimme, die diese Songs voll eleganter Anmut und betörender Dringlichkeit trägt; eine Stimme, mit der sie den bedächtigen Melodiebögen eine zartbittere Atmosphäre verleiht.

Christa Päffgen alias Nico und Hildegard Knef werden immer wieder als Referenzgrößen genannt. Diese Vergleiche schmeicheln der Musikerin zwar, werden ihrer genuinen Kunst aber nicht gerecht. "Silence Wore A Silver Coat" ist eine Kostbarkeit voller meditativer Schönheit und kunstvoll-melancholischer Patina. Stella Sommer selbst bezeichnet ihre Musik sehr treffend als "zeitlos, elegant und in sich ruhend".

Auch wenn in jedem Song eine gewisse Schwermut mitschwingt, verströmen diese Lieder am Ende doch eine hoffnungsvolle Note. Es sind an die Folkmusik der 1960er- und 1970er-Jahre erinnernde Popsongs, die Kontemplation, Introspektion und Poesie miteinander verknüpfen. Beim jetzt vorliegenden Nachfolger ihrer bisher erschienenen beiden Soloalben "13 Kinds Of Happiness" aus dem Jahr 2018 sowie dem zwei Jahre darauf nachgeschobenen "Northern Dancer" handelt es sich tatsächlich nicht nur um ein Doppelalbum im klassischen Sinn, sondern auch um ein Meisterwerk zeitgenössischer Balladenkunst, das in seiner Gesamtheit besticht.

Man möchte keinen Song hervorheben, so wunderschön, herzergreifend und berückend ist jeder einzelne von ihnen.