"Don’t stop thinking about tomorrow": Als Christine McVie ihrem Ehemann, dem Bassisten John McVie, nachfolgte und sich im Jahr 1970 der drei Jahre zuvor in London gegründeten Band Fleetwood Mac anschloss, befand sich diese gerade im Umbruch: Nach einer ersten Phase als britische Bluesrockband unter Patronanz ihres Sängers und Gitarristen Peter Green sollten sechs weitere Alben entstehen, bis sich die Formation um den namensgebenden Schlagzeuger Mick Fleetwood als schließlich von Kalifornien aus operierende Popband gefunden hatte – und ihren Weltruhm mit drei Alben zementierte.

Wobei die am 12. Juli 1943 als Christine Anne Perfect geborene Tochter eines Musikers und einer Wunderheilerin den sanften Ton der Klassiker "Fleetwood Mac" (1975), "Rumours" (1977) und "Tusk" (1979) nicht nur als Keyboarderin und Co- oder Lead-Sängerin maßgeblich mitbestimmte. Im Kanon der später noch mit Lindsey Buckingham und Stevie Nicks an Stimmen und Songwritern wahrlich nicht unterbesetzten Band stammen mit "Don’t Stop", "Everywhere" oder "Little Lies" auch die größten Hits aus ihrer Feder. Es handelt sich dabei um zeitlose Songs aus einer goldenen Ära, die auch bald fünf Jahrzehnte nach ihrer Entstehung als Evergreens umgehen.

Scheidungsalbum

Nach Anfängen als Mitglied der Bluesband Chicken Shack und der Veröffentlichung ihres zunächst erfolglosen ersten Soloalbums "Christine Perfect" war McVie im Universum ihrer späteren Stammband erstmals auf dem Album "Kiln House" von 1970 zu hören, dessen Cover sie zeichnete. Als offizielles Mitglied schließlich auf dem Nachfolger "Future Games" mit an Bord, gipfelte die Transformation Fleetwood Macs 1976 im Album "Rumours", das mit 40 Millionen verkauften Einheiten bis heute zu den erfolgreichsten Bestsellern der Popgeschichte gehört.

Der auch als Scheidungswerk kanonisierte Longplayer wurde trotz oder vielleicht auch aufgrund erheblicher interner Spannungen zum Opus Magnum der Band, das auf getrennten Schreib- sowie vor allem auf von Kokain-Abusus zusätzlich erschwerten Aufnahmesessions beruhte, an die sich Christine McVie einmal so erinnerte: "Trauma. Trau-Ma."

Während mit ihrem Hit "Don’t Stop" einer der darauf vertretenen Fleetwood-Mac-Songs schlechthin zwar inhaltlich Hoffnung verbreitete, basierte "You Make Loving Fun" realbiografisch wiederum bereits auf einem: Nach ihrer Affäre mit dem Lichttechniker der Band war die Ehe mit John McVie endgültig Geschichte, die Arbeitsgemeinschaft aber musste weiterbestehen. Christine McVie stürzte sich in ein Techtelmechtel mit Dennis Wilson von den Beach Boys, veröffentlichte im Jahr 1984 ihr zweites Soloalbum und schrieb schließlich auf "Tango In The Night" von 1986 mit "Little Lies" gemeinsam mit ihrem zweiten Ehemann Eddy Quintela sowie "Everywhere" (im Alleingang) zwei der letzten ganz großen Hits der im Anschluss langsam erodierenden Band.

Nach der musikalischen Frühpensionierung im Jahr 1998 und einer 16-jährigen Phase des Rückzugs aufs Land zu Hause in Großbritannien kehrte Christine McVie erst im Jahr 2014 wieder zu Fleetwood Mac zurück. Es folgten gefeierte Reunionskonzerte und Tourneen. Die wiederaufgenommene Schreibarbeit führte abschließend im Jahr 2017 zum Album "Lindsey Buckingham Christine McVie" mit John McVie und Mick Fleetwood als Gästen.

Don’t stop! Am Mittwoch ist Christine McVie nun überraschend nach kurzer Krankheit im Kreis ihrer Familie gestorben. Sie wurde 79 Jahre alt.