"Mach das Dunkel besser leuchten!" Diese Songzeile aus dem gemeinsamen Werk von Blixa Bargeld und Teho Teardo, die das Desertshore-Festival am kommenden Sonntag beehren, darf durchaus als stellvertretend für die Veranstaltungsreihe verstanden werden. Immerhin verbindet die am Wochenende an zwei Spieltagen im Wiener Volkstheater auftretenden Acts neben realbiografischen oder ästhetischen Wurzeln in den 1980er Jahren nicht zuletzt eines: Sie alle neigen zur Sonntagsdepression und zur Melancholie oder sind anderweitig mitunter nicht ganz so gut drauf.

Weltschmerz hat immer Saison: Im Falle der zum Auftakt am Samstag gebuchten Headlinerin Zola Jesus gilt das in besonderem Maße. Die 1989 als Nika Roza Danilova in Phoenix, Arizona geborene Songwriterin, Sängerin und Produzentin tritt auf mittlerweile sechs Alben als Trauerfürstin in Erscheinung. Mit "Arkhon" bündelte zuletzt auch der heuer im Juni erschienene jüngste Streich alle Kernkompetenzen.

Wir hören tief im Hallraum versunkene Klagelieder über rezente Verluste, die Zola Jesus wahlweise im Gleitflug ("Dead & Gone"), als Veitstanz ("Sewn") oder wie bei "Desire" auch als händeringende Ballade serviert. Live steht dabei eine hörbare Veränderung auf dem Programm: Eigens für zwei Exklusivkonzerte nach Europa geflogen - next Stop Berlin -, kommt es im Volkstheater zu einem Spezialkonzert mit Streichquartett und Klavier. Die auf den Alben omnipräsenten Synthesizer dürften also in Trauer verstummen.

Rotweinballaden

Konzerte der in Berlin lebenden britischen Eisengelstimme Anika, der auf tanzbaren Post-Punk und Synthie-Pop spezialisierten weißrussischen Band Dlina Volny sowie der närrischen Isländerin Unnur Andrea Einarsdottir alias Apex Anima, die gemeinsam mit ihrer Pole-Tänzerin Frznte anreist, runden den Abend ab. Seine Legitimation als "Festival für abenteuerliche Musik und Gedanken" erhält die Veranstaltung am Samstag übrigens mit einem Talk, der sich mit dem titelgebenden Nico-Album "Desertshore" von 1970 beschäftigt.

Am Sonntag schauen der italienische (Filmmusik-)Komponist Teho Teardo und Blixa Bargeld von den Einstürzenden Neubauten dann zwar noch ohne neues Album vorbei. Dass die beiden nicht nur beim gemeinsamen Kochen und Schnabulieren harmonieren, weiß man aber spätestens seit ihrem Wien-Konzert vor sechs Jahren im Stadtsaal.

Im Volkstheater schöpft das Duo somit aus seinen beiden bisher erschienenen Alben. Auf das im Jahr 2013 vorgelegte Debüt "Still Smiling" im Zeichen der mitunter humorig aufgebrochenen Rotweinballade über den Tourblues, dem man auch mit "Masturbation und Minibar" nur bedingt Herr wird, folgte 2016 mit "Nerissimo" eine Reise durch das schwärzeste Schwarz. Dieses ist natürlich auch Swans-Kopf Michael Gira bekannt, der das Line-up am Sonntag ebenso mit einem Solo-Auftritt ergänzt wie sein vormals auch mit den wunderbaren Les Hommes Sauvages aktiver Haus- und Hof-Gitarrist Kristof Hahn (guter Mann!).

Der Abschluss ist dann Joanna Gemma Auguri überlassen, die im Vorjahr mit den melancholischen Songs ihres auf Akkordeon, Zither und Gesang basierenden Albums "11" charmierte. Auch hier feiert der Weltschmerz gar nicht so fröhliche Urständ.