Gut möglich, dass Cécile McLorin Salvant in 30, 40 Jahren als Jazzlegende gelten wird: Die US-Amerikanerin, geboren 1989, ist mit ihrem anspruchsvollen, abwechslungsreichen Vokaljazz in den Vorjahren zu einem Kritikerliebling aufgestiegen und hat bis dato drei Grammys eingestreift; heuer legt sie mit dem Album "Ghost Song" ein Wunder an Vielfalt vor. Die Scheibe überrascht nicht nur mit einer stilistischen Bandbreite, die von einer atmosphärischen Coverversion (Kate Bushs "Wuthering Heights") über fröhliches Banjo-Geschrummel und intellektuellen Free Jazz bis hin zu schicken R’n’B-Annäherungen reicht. Ein jeder Song, die meisten stammen aus der Feder der Sängerin, birgt unverhoffte musikalische Pointen, oft auch einen überraschenden Stil-Wechsel und vermittelt den Eindruck unverbrauchter Frische.