Zu Hause in England galt Terry Hall mit seiner Band The Specials im Handumdrehen als Säulenheiliger einer Musik, bei der Unterhaltung immer mit Haltung einherging. Hierzulande hingegen hatte der gelernte Österreicher ihren bekanntesten Song, die von Elvis Costello produzierte Dandy-Livingstone-Interpretation "A Message To You Rudy", ausgerechnet in der Version einer Lotteriewerbung als Ohrwurm. "A Brieflos for you and me" – ein größeres Sakrileg angesichts der von den Specials gehegten Systemkritik und ihres Klassenbewusstseins scheint undenkbar. Die 1977 in Coventry gegründete Band wurde zur zentralen Ska-Vertreterin ihrer Generation, der am 19. März 1959 geborene Terry Hall ihre Stimme.

The Specials schlossen die afrokaribischen Wurzeln des Genres mit dem Geist des Punk kurz. Ihr schonungsloser Blick auf die Verhältnisse im England der späten 70er und frühen 80er Jahre zwischen Hoffnungslosigkeit in Betongrau und – rassistisch motivierter – Gewalt setzte dabei aber auf Verbrüderung und Zusammenhalt.

"Can’t fight corruption with con tricks / They use the law to commit crime / I dread to think what the future’ll bring / When we’re living in gangster times." Zeilen wie jene aus der Debütsingle "Gangsters" von 1979 erweisen sich gerade in der globalen Post-Brexit-Realität der Gegenwart als erschütternd aktuell. Mit Songs wie "Enjoy Yourself (It’s Later Than You Think)" sang Terry Hall dennoch dafür, sich nicht von einer Schwere erdrücken zu lassen, die ihn später in Form einer depressiven Erkrankung trotzdem einholen sollte.

Zwei von Gitarrenpop getragene Soloalben, ein kommerziell ebenso glückloser Zusammenschluss mit Dave Stewart von den Eurythmics als Vegas, ein musikalischer Brückenschlag in die arabische Welt gemeinsam mit dem Produzenten Mushtaq sowie nicht zuletzt zwei Alben mit dem Specials-Ableger Fun Boy Three um das 1983 in Richtung Songwriter-Pop getriebene "Waiting" unter slicken New-Wave-Vorzeichen ergänzen sein Lebenswerk.

Mit den seit 2008 wiedervereinten Specials genehmigte sich Terry Hall im Vorjahr die Sammlung "Protest Songs 1924 –2012", ein letztes Album mit Originalmaterial erschien 2019 mit dem Titel "Encore". Darauf brachte eine Neueinspielung von "The Lunatics Have Taken Over The Asylum" die Verhältnisse noch einmal auf den Punkt. Mit dem Göttersong "We Sell Hope" verewigte sich Hall abermals aber auch als zärtelnde Seele: "Looked all around the world / We’ve gotta take care of each other / Do what you need to do / Without making others suffer."

Am Montag ist der Vater dreier Söhne nach kurzer Krankheit gestorben. Terry Hall wurde 63 Jahre alt.