Mit’m Christkind wos rauchen - ungefähr so fühlt sich Wiener Weihnachten mit Ernst Molden an. Mit dem Frauenorchester und drei, man könnte sagen, heiligen König(inn)en der heimischen Popszene - der Nino aus Wien, Anna Mabo und Christopher Seiler - führte er am Mittwochabend durch sein traditionelles Weihnachtskonzert im Porgy & Bess.

Traditionell waren auch die von Bob Dylan, Dave Van Ronk oder Mary Gauthier stammenden Lieder, die Molden erwartungsgemäß wienerisiert vortrug. Aus einem Gospel wurde das todessehnsüchtige "Gemma ins Wosser" und mit "I sauf" ward der Wiener Seelenzustand rund um Weihnachten erneut unmissverständlich auf den Punkt gebracht. Technische Probleme zwangen das Konzert gleich nach 20 Minuten in eine Pause. Das gab aber keinen Anlass zum Sudern, sondern zu amikalen Publikums-Zurufen und zur spontanen Unplugged-Einlage - ein zufälliger Höhepunkt des Abends. Maria Petrova, Marlene Lacherstorfer und Sibylle Kefer vom Frauenorchester glänzen dabei durchwegs durch ein federnd-feingliedriges Spiel.

Zwischendurch trug Anna Mabo charmant apokalyptische Botschaften vor, der Nino aus Wien war der Nino aus Wien und verwandelte "La Paloma" in eine räudige Straßentaube und Christopher Seiler (ohne Speer) quetschte etwas überdramatisch einige Töne heraus. Italo-Folklore, Country und Jodel-Einlagen brachten ein bisschen Welt in die Wiener Unterwelt. Am Schluss entließ Molden sein Publikum "in die dunklen Gossn", wo das erfrischend unweihnachtliche Weihnachtskonzert ein wenig länger in Köpfen und Seelen nachhallte.