Lockdowns haben auch ihr Gutes. Der schottische Autor und Sänger James Yorkston, sein bisheriges musikalisches Leben an die Gitarre gebunden, hat in der Auszeit mit dem Klavierspielen begonnen. Zwar verwendete er fast ausschließlich die weißen Tasten, aber selbst die eröffneten ihm schon deutlich "more options", als er zuvor auf den Gitarrensaiten alleine vorgefunden hatte. Und so (er)fand er auch neue Klänge und Klangfarben, die der Folk-Sänger so bisher nicht in seinem Repertoire hatte. In Zusammenarbeit mit Karl-Jonas Winqvist, dem Leiter der schwedischen Formation The Second Hand Orchestra (TSHO), und dessen Musikern entstand daraus 2021 das Album "The Wide, Wide River", das vom "Guardian" zu einem der zehn besten Folk-Alben des Jahres erwählt wurde.

Und so machten Yorkston und Winquist gleich weiter auf diesem Wege. Der Schotte schickte dem Schweden wiederum seine auf dem Klavier entworfenen Songideen, wobei dieser nunmehr fand, dass eine weitere Gesangsstimme dem Ganzen guttäte, und holte dafür die Cardigans-Sängerin Nina Persson mit ins Boot. Zu dritt feilten sie an dem Material, das dem Rest des TSHO erst im Studio vorgelegt wurde, worauf die Instrumentalisten relativ rasch sich einen musikalischen Reim darauf machten. Langes Üben und Arrangieren wird ja sowieso überschätzt. Es lebe die Spontanität. Das Ergebnis lässt sich jedenfalls hören - und liegt nunmehr mit "The Great White Sea Eagle" in Albumlänge vor.

Es sind luftige, mitunter für Yorkston erstaunlich beschwingte Meditationen über Natur, Leben, Familie, aber auch Trauer. Der Schotte, ansonsten mit Eingängigkeit eher geizend, ist über die Helligkeit mancher Stücke selbst erstaunt: "I don’t want to say easy-listening, but certainly for my records it is ... quite inviting." Stimmt, die oft sparsam instrumentierten, mitunter zweistimmig intonierten Songs sind einladend - und gewinnen bei mehrmaligem Hören ständig an Weite und Gewicht. Ein echter Slowburner.

Zentraler track ist das hübsch (und spannend) betitelte "The Heavy Lyric Police", der sich nach dezentem Beginn zu einem kleinen wilden Crescendo steigert, das in seinem improvisiert wirkenden Zusammenspiel an die Lebendigkeit ähnlich angelegter Stücke der britischen Gruppe Black Country, New Road erinnert. Und dabei kommen dann auch ein paar schwarze Tasten zum Einsatz.