"Schläft ein Lied in allen Dingen / die da träumen fort und fort / und die Welt hebt an zu singen / triffst du nur das Zauberwort." Samuel Leipold scheint über dieses Geheimwissen zu verfügen. Der Schweizer Jazzgitarrist hat sein jüngstes Trioalbum mit einer Magie aufgeladen, die an Joseph von Eichendorffs Worte gemahnt. Die Musik, leise und zart, macht den Anschein, als würden da drei Instrumente gemeinsam träumen: Die haarfeinen, vagen Motive der Klarinette (Jürg Bucher), die E-Gitarre mit dem schattigen Hall, der atmosphärische Bass (Luca Lo Bianco) und eine versonnene, offenen Harmonien nicht abgeneigte Gangart erwecken den Eindruck, hier würde Musik über sich selbst meditieren.

Das Wundersame an diesem somnambulen Album: Es beschert dem Ohr nicht nur atmosphärische Reize, sondern - lauscht man tiefer in das nächtliche Klangbild hinein - auch raffinierte Strukturen; hier formen sich Melodiebögen und Spannungskurven, werden Schlusspointen gesetzt. Ein leiser Wurf.