Mitunter sind es Petitessen aus dem Werkkatalog eines Künstlers, die ihren Verfasser überleben. Im Fall von Richard Oesterreicher ist dies eine Melodie, die man eher nicht mit einem gestandenen Jazzmusiker und Big-Band-Leiter verbinden würde: Es ist der unverwüstliche Schlachtruf "Immer wieder Österreich", der bis heute von den Tribünen der Länderspiele tönt; sein Verfasser ist an diesem Dienstag nach einem langen, tatkräftigen Leben im Alter von 90 Jahren gestorben.

Die Big Band des ORF

Oesterreicher, geboren am 10. November 1932 in Wien als Sohn eines Musiklehrers, absolvierte eine Schriftsetzer-Lehre und übte diesen Beruf zehn Jahre aus. Die Musik spielte anfangs die zweite Geige: Oesterreicher lernte Akkordeon und Klavier, später auch Gitarre und Mundharmonika und widmete sich dem Jazz.

1958 gab er den erlernten Beruf ganz für die Musikleidenschaft auf. Nach Auftritten in Wiener Bars übernahm er die Leitung einer Band und war in den Folgejahren mit unterschiedlichen Formationen aktiv - bis die entscheidende Wendung in der Vita des Multiinstrumentalisten eintrat: Der ORF gründete eine 20 Mann starke Band und engagierte Oesterreicher als Leiter. Fortan war er fest mit dem Österreichischen Rundfunk verbunden, arbeitete als Studiogitarrist, Arrangeur und Musiker im Unterhaltungsorchester. 1972 wurde er Mitglied der ORF Big Band und übernahm 1974 deren musikalische Leitung. Er komponierte unter anderem die Signations für die ORF-Shows "Wer A sagt", "Champion" und "O du mein Österreich".

Beim Eurovision Song Contest waren Oesterreicher und die ORF Big Band ebenfalls etliche Male zu hören, etwa bei Blue Danubes "Du bist Musik", "Keine Mauern mehr" von Simone oder Thomas Forstners Ballade "Venedig im Regen". Oesterreicher hörte parallel dazu nie damit auf, in eigenen Bands zu spielen. 1981 gründete er die Richard Oesterreicher Big Band, die in TV-Shows auftrat, Platten aufnahm und mit Stars wie Udo Jürgens, Peter Alexander oder José Carreras zusammenarbeitete.(irr/apa)