Miley Cyrus plante jedes Detail. Sie wollte nicht zu offensichtlich werden, niemand beim Namen nennen. Dennoch sollte die Welt mitbekommen, worum und gegen wen es ihn ihrem neuen Song "Flowers" geht. Die Botschaft: Sie ist besser ohne ihren Verflossenen dran.

Die Fangemeinde der US-Popsängerin und die Medien hatten die versteckten Hinweise schnell entdeckt. Obwohl ihr neues Album "Endless Summer Vacation" erst am 10. März erscheint, veröffentliche Cyrus "Flowers" bewusst am 13. Jänner. Es war der Geburtstag ihres Ex-Mannes, des australischen Schauspielers Liam Hemsworth. Im Song selber geht es anscheinend um eine neue Selbstliebe nach einer schweren Trennung. Doch steckt er auch voller Anklagen: "Ich kann mir selber Blumen kaufen, meinen Namen in den Sand schreiben, mich zum Tanzen ausführen", singt Cyrus. Mehr noch: "Ich kann mich besser lieben, als du es kannst."

Frauen rechnen ab

Für die Fans war dadurch der Adressat der Botschaft schnell ausgemacht. Der Text ist eine inhaltliche Anspielung auf den Hit "When I was your Man" von Bruno Mars. Cyrus und Hemsworth liebten den Song. Er soll sogar auf ihrer Hochzeit 2018 gespielt worden sein. Im Musikvideo geht es dann richtig zur Sache: Die US-Sängerin räkelt sich im Bikini am Pool einer tollen Hollywood-Villa, singt nackt unter der Dusche, tanzt ausgelassen in einem schwarzen Herrenanzug mit sich selbst. Darf man Verschwörungstheorien glauben, handelt es sich im Video um die Villa, in der Hemsworth dem ehemaligen "Hannah Montana"-Star gleich mehrmals fremdgegangen sein soll. Das alles klingt zwei Jahre nach der offiziellen Scheidung nicht gerade nach überstandenem Trennungsschmerz. Fakt ist: Das Ganze sorgt jedenfalls für Aufmerksamkeit und Publicity. Miley Cyrus "Flowers" geht derzeit auf TikTok und YouTube viral.

Wie profitabel Trennungs- und Herzschmerzsongs sein können, zeigte wenige Tage vor Cyrus Singleveröffentlichung auch Pop-Star Shakira. In ihrem Song "BZRP Music Sessions #53" will die Kolumbianerin ihren Ex-Partner, den ehemaligen spanischen Fußballstar Gerard Piqué vom FC Barcelona, bloßstellen. Das hat sie hinbekommen - vor der ganzen Welt. Auf YouTube wurde der Song bereits 122 Millionen Mal aufgerufen, auf Spotify 43 Millionen. "Es war für mich eine Katharsis, ein Ventil, meine Wut rauszulassen. Ich hätte nie gedacht, dass ich mit 45 Jahren und auf Spanisch so einen Erfolg haben würde", twitterte Shakira. Shakira und Piqué lernten einander 2010 beim Dreh für das Musikvideo "Waka Waka (This Time for Africa)" kennen, dem offiziellen Song der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika. Sie waren Spaniens Promi-Traumpaar. Nach zwölf Jahren und zwei gemeinsamen Kindern trennten sie sich vergangenen Sommer. Grund war Piqués Affäre mit der 22-jährige Studentin Clara Chia, einer Praktikantin in seiner Sportevent-Firma.

Während sich Piqué mit seiner neuen Flamme amüsierte, nahm sich Shakira in den vergangenen Monaten Zeit für ihren musikalischen Rachefeldzug. Von Selbstmitleid oder gar Liebeskummer keine Spur. Shakira rechnet mit ihrem untreuen Ex ab. Dabei bekommt auch die Neue ihr Fett weg. Sie sei so viel wert wie zwei 22-Jährige, singt Shakira. "Ich war zu groß für Dich, deshalb bist Du jetzt mit einer zusammen, die Dir ebenbürtig ist." Und damit nicht genug: "Du hast einen Ferrari gegen einen Twingo getauscht, eine Rolex gegen eine Casio." Das sitzt. Ob eine derart öffentliche Abrechnung mit Ex-Partnern immer sinnvoll und fair ist, bleibt fraglich. Vor allem wenn wie bei Shakira auch gemeinsame Kinder im Spiel sind, dessen Schulfreunde ebenfalls den Song und das Gerede hören.

Für den Geldbeutel der Künstler sind Rachesongs mit Sicherheit attraktiv. Die Welt liebt es, Promis bei ihren Rosenkriegen zuzuschauen. Doch helfen solche Abrechnungslieder auch wirklich zur emotionalen Überwältigung einer Trennung? Fraglich! Aber die Musik ist halt das Sprachrohr von Künstlern wie Miley Cyrus und Shakira. So ist die Musikgeschichte voller Rachesongs - von Elvis Presleys "My baby left me" über Mick Jaggers "Melody" bis hin zu "Eye Hate U" von Prince. Auch US-Popstar Justin Timberlake kotzte in seinem Song "Cry Me a River" 2002 so richtig über seine Ex-Partnerin Britney Spears ab, die ihm fremdgegangen war.

Der deutsche Rapper Sido zog im selben Jahr in seinem Song "Schlampen" gleich alle Ex-Freundinnen so richtig schmutzig durch den Dreck. Während Felix Brummer, Frontmann der Band Kraftclub, seine Ex in "Dein Lied" von 2017 als "verdammte Hure" beschimpft, die mit seinem besten Freund geschlafen hat.

"Tut’s dir weh?"

Den wohl gröbsten Rachesong veröffentliche 1995 aber wahrscheinlich Alanis Morissette mit ihrem Mega-Hit "You Oughta Know": "Die Geschwindigkeit, mit der Du mich einfach ersetzt hast, das war die eigentliche Ohrfeige. Denkst du an mich, wenn du sie bumst? Sie ist ja wohl so was wie die ältere Ausgabe von mir. Ist sie auch so pervers wie ich?", will die Sängerin in dem Song wissen. Und setzt noch einen drauf: "Jedes Mal, wenn ich dem Mann, der grade auf mir liegt, den Rücken blutig kratze, dann hoffe ich, dass es Dir wehtut. Tut’s dir weh?"

Dagegen wirkt Taylor Swifts "We are never getting back together"-Abrechnungssong mit Schauspieler Jake Gyllenhaal nahezu harmlos. Auch Billie Eilish rechnete in "Happier than Ever" mit ihrem Verflossenen ab. Beyoncé machte das 2016 sogar mit einem ganzen Album ("Lemonade") über den untreuen Rapper Jay Z. Rachesongs ziehen sich durch die gesamte Musikgeschichte. Doch sind sie in Zeiten von Social Media Plattformen als lukrative Herzschmerztherapien bei Stars noch angesagter als je zuvor. Dabei zeigen vor allem weibliche Künstlerinnen einen Trend auf: Die Songs müssen selbstbewusst und abrechnend sein. Das singt auch Shakira in "BZRP Music Sessions #53": "Frauen weinen nicht mehr, Frauen rechnen ab."