"Lobes" bedeutet Läppchen beziehungsweise runde Ausbuchtungen auf ansonsten kantigen Gebilden. Die Kanten noch mehr geschliffen haben We Are Scientists in ihrem ebenso benannten neuen Album, das als rundes Ganzes daherkommt. Die tiefschürfenderen Garage-Rock- und Post-Punk-Elemente vom letzten Album "Huffy" sind glatteren Achtziger-Synth-Pop-Elementen auf guter alter Gitarrenbasis gewichen.

In jeder Indie-Disco würden die Songs des achten Studioalbums der New Yorker Indie-Rock-Urgesteine wohl auf High Rotation laufen. Auch nach 24 Jahren schwelgen Keith Murray und Chris Cain noch in Feierlaune und besingen die dazu passenden hehren Sujets: Alkohol und Liebe. "At this point I could use a hit of dry Prosecco" - mit dieser lebensnahen Aussage in "Settled Accounts", einem der besten Songs des Albums, können sich wohl viele anfreunden. Von den Wurzeln der Band in der New Yorker Underground-Szene um die Jahrtausendwende hört man naturgemäß schon lange nicht mehr viel.

Stattdessen münden episch breite Gitarrenflächen, optimistisch-treibende Drumbeats und genregetreue Gitarrensoli in explosive Soundscapes, wie es sich für ausproduzierte Indie-Dance-Pop-Hymnen eben gehört. Beim schnellen Durchklicken klingen die Anfänge der Songs wie die verschiedenen Voreinstellungen eines Keyboards: Synthiesounds in allerlei Farben und Texturen. Das ist unterhaltsam und wohl der Liebe der beiden für Cyndi Lauper geschuldet.

Bei vielen der Songs auf "Lobes" schlackern tatsächlich die Ohrläppchen, sie kreieren einen gewissen "sense of urgency" - die Dringlichkeit, auch im Morgengrauen noch die eingeschlafenen Gliedmaßen auszuschütteln. In Zeiten der allgemeinen Weltverdrossenheit lohnt es sich durchaus, der Indie-Disco einen Besuch abzustatten, auch wenn ein wenig mehr Edge und Tiefgang den Songs gutgetan hätte.

Album

We Are Scientists

Lobes