Silverstein schrieb über 800 Songs: melancholische Liebesballaden ("Sylvia´s Mother"), Kinderlieder ("Sahra Cynthia Sylvia Stout"), Countrysongs ("Hills Of Shiloh"), Bierzelthadern ("Tequila Sheila") und irrwitzig komische Stücke ("Freaker´s Ball") - und das praktisch überall: in Bars, Hotels oder im Auto, auf Papier, Bierdeckeln, Speisekarten, Hemden - und sogar auf der eigenen Haut. Für einige Künstler schrieb er auch Liner Notes für deren Platten, etwa für Folk-Legende Rambling Jack Elliott. Allerdings hörte er damit auf, als Elliott deswegen von seiner Frau verlassen wurde. Der Folk-Sänger hatte die biographischen Zeilen, die auch von seinen Liebschaften handelten, nicht nur bei Konzerten den Fans vorgetragen, sondern voller Begeisterung auch der eigenen Frau. Sowohl Kris Kristofferson als auch Bill Cosby mussten daraufhin auf Silversteins Verse verzichten. Auch als Interpret war "Uncle Shelby" einzigartig, allerdings nicht wegen seines harmonischen Gesangstils, sondern wegen seiner schrillen, räudigen und komischen Interpretationsweise. Einen Grammy erhielt er allerdings nur für die CD-Version seines Buches "Where the Sidewalk Ends" - "recited, sung and shouted by Shel Silverstein" wie es auf dem Cover so schön heißt. Für seine Filmmusik zum Streifen "Grüße aus Hollywood" (mit Meryl Streep und Shirley MacLaine) wurde er für den Oscar nominiert.

Schicksalsschläge

Die Öffentlichkeit scheute der Künstler seit Mitte der 70er Jahre, als seine Kinderbücher immer populärer wurden. Schicksalsschläge hatten den Lebemann, der Freiheit über alles liebte und Abhängigkeiten hasste, zugesetzt. Die Tochter Shoshanna starb im Alter von 12 Jahren 1982, deren Mutter war bereits einige Jahre davor verstorben. Die Arbeit, "eine Gewohnheit" wie er es einmal definierte, bestimmte jedoch weiter sein Leben. Es entstanden Theaterstücke für den Broadway, auf Wunsch eines Freundes sogar Krimi-Erzählungen und weitere Songs für alte Country-Helden mit dem bezeichnenden Namen "Old Dogs".

1999 war es mit der vielen Arbeit vorbei. Am 10. Mai wurde er in seinem Haus in Florida tot aufgefunden. Das Herz des Unermüdlichen hatte seinen Dienst quittiert. Country-Sänger Bobby Bare meinte 2002 bei der Feier zur Aufnahme Silversteins in die Nashville Songwriter Hall Of Fame: "Die Wörter Silverstein und tot passen nicht zusammen. Wir müssen uns daher fragen, ist er zu früh gegangen oder sind wir zu lange geblieben?"

CD-Tipps:

Freakin At The Freakers Ball (Columbia/SonyBMG).

The Great Conch Train Robbery (Flying Fish Records).

I´m So Good That I Don´t Have to Brag! (Edsel Records).

Dr. Hook: I Got Stoned And I Missed It - The Best From Shel Silverstein 1971-1979 (Raven).

Shel Silverstein: The Best Of (Columbia/SonyBMG).