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Erwarte das Unerwartete. Diese Phrase lässt sich spätestens seit 1997 auf Sonic Youth-Veröffentlichungen anwenden. Damals startete die experimentelle SYR-Reihe, deren jüngster Spross der Soundtrack zum Film "Simon Werner a Disparu" ist und der bei weitem interessanter ist als das letzte "offizielle" Album "The Eternal". Den Ratschlag, sich auf das Unvorbereitete einzustellen, kann man seit "Demolished Thoughts" nun auch Hörern von Werken des Sonic Youth-Gitarristen und -Sängers Thurston Moore empfehlen.

Waren auf Moores früheren CDs abgespeckte Sonic Youth-Songs versammelt, die zwischen Rock-Song und Avantgarde pendelten, wobei den Ausschlag eindeutig die Harmonie gab, besteht das neue Album fast nur aus Balladen, in denen eine Violine ebenso ihren Platz findet wie eine Harfe. Produziert wurde das Ganze von Beck Hanson, was aufgrund seiner Mitgliedschaft in einer populären Sekte einigermaßen Erschrecken auslösen könnte.

Wer nun erwartet, Moore würde in parareligiösen Gewässern tauchen, mag sich bei den ersten beiden Songs, "Benediction" und "Illuminine", bestätigt sehen. Spätestens aber beim dritten Stück, "Circulation", wird das Vorurteil, Moore wolle mit seiner Musik eine spirituelle Botschaft verkünden, korrigiert. Hier herrschen wieder altbekannte Disharmonien vor, wenn sie auch auf sehr kleinem akustischem Raum ausgefochten werden. Bei "Orchard Street" oder "Mina Loy" werden dann doch noch zaghaft Sonic Youth-Assoziationen geweckt.

Trotz aller Wald- und Wiesenromantik, die einige fast liebliche Abschnitte verströmen - und bei denen der Hörer die Hand des Scientologen herauszulesen vermeint -, ist Moore ein schillerndes Juwel gelungen. Es unterstreicht, dass er auch kammermusikalische Zwischentöne perfekt beherrscht.

Thurston Moore: Demolished Thoughts (Matador, Indigo)