Rund drei Monate waren ihm nach dieser Aufnahme noch vergönnt. Umso mehr Lebensjahre hatte er hinter sich, und sie waren nicht ungenutzt geblieben: Hank Jones, 1918 in Vicksburg, Mississippi, geboren, saß am Klavier, als die Bigbands das große Geld machten, saß am Klavier, als Charlie Parker zur Bebop-Revolte blies, und er saß auch dort, als Marilyn Monroe ihr präsidiales Geburtstagsständchen hauchte - sozusagen eine jazzhistorische Konstante. Bevor Jones den Klavierhocker im Mai 2010 endgültig räumte, war ihm ein würdiger Abschied vergönnt: Eine Auswahl von Hymnen und Spirituals spielte er im Gedenken an die eigene Kindheit gemeinsam mit Kontrabass-In-stanz Charlie Haden ein.

Stimmt zwar: Ein 91-jähriger (!) Pianist gebietet nur noch über beschränkte Mittel. Doch genau dies begünstigt ein konzentriertes, verinnerlichtes Spiel, das den spirituellen Stücken frommt. Und die Ergebnisse sind dann auch von berückender Schlichtheit. Mit warmem Ton und herzhaften Phrasierungen dringt Jones ins Herz von Hymnen wie "Sweet Hour of Prayer" oder "Going Home" (einer Art Kurzfassung des Largos aus Dvořáks Neunter).

Und auch Haden spielt so sparsam, dass sich nach dem Schlussakkord nicht selten ein Gefühl von Klassizität einstellt: Genau so müssen diese Stücke klingen, um an der Seele zu rühren.

Hank Jones, Charlie Haden: Come Sunday. (Emarcy/Universal)