Die Rock-Musik hat ein Herz für alte Helden. Ganz gleich ob sie Bob Dylan, Leonard Cohen oder Rolling Stones heißen, wenn sie sich zu einem neuen Album aufraffen, werden sie von Fans und Kritik so hochgelobt, wie sie es während der langen Karriere vielleicht öfters gewünscht hätten.

Nicht anders ergeht es Kris Kristofferson. Der 76-jährige Singer/Songwriter aus Texas hat die härteste Zeit seiner Karriere hinter sich. In den späten 80er Jahren musste er seine Band auflösen, da er sie schlicht nicht mehr zahlen konnte. Damals begann er, aus der Not eine Tugend zu machen. Nur mit Gitarre und Mundharmonika präsentierte er sich bei seinen Konzerten und ähnlich reduziert klangen seine Alben. Sein neuestes mit dem bezeichnenden Namen "Feeling Mortal" (KK Records) ist gerade erschienen und überzeugt mit schnörkellosen Songs, unter ihnen auch ein altes Werk, das Kristofferson vor 42 Jahren mit dem legendären Shel Silverstein ("A Boy Named Sue", "Sylvia’s Mother") geschrieben hatte.

Kristofferson beeinflusste - ohne jemals zum Mega-Star zu werden - zahlreiche Musiker-Generationen. Seine Songs wurden von Ikonen wie Bob Dylan, Elvis Presley, Johnny Cash und Frank Sinatra gesungen. In den Hitparaden landeten seine Songs ebenfalls. Da wurden sie etwa von Janis Joplin ("Me And Bobby McGee"), John Holt ("Help Me Make It Through The Night") oder hierzulande von STS ("Gö, Du bleibst heut Nacht bei mir") interpretiert. Und auch in jüngeren (und ein wenig älteren) Kollegen hat der allürenfreie Künstler zahlreiche Fans. Von Sheryl Crow über Norah Jones bis zu Lucinda Williams reichen die Künstler, die sich von dem Texaner inspirieren ließen.

Als Schauspieler begann er seine Karriere in Dennis Hoppers "Last Movie". Danach durfte er für Sam Peckinpah etwa in "Pat Garrett & Billy The Kid" und "Convoy" die Hauptrolle spielen. Den größten Erfolg feierte er als abgehalfterter Rock-Held an der Seite von Barbara Streisand in "A Star Is Born". Dafür erhielt Kristofferson sogar den Golden Globe. Das politisch bedingte Fiasko von "Heaven’s Gate" riss nicht nur das von Charlie Chaplin mitgegründete Studio United Artists in den Abgrund, sondern beschädigte die Karriere von Kristofferson. Das Comeback Mitte der 90er Jahren gelang als rassistischer Sheriff in "Lone Star" von John Sayles. Aktuell ist Kristofferson in "Cold Blood", dem neuesten Werk von Österreichs Oscar-Preisträger Stefan Ruzowitzky zu sehen.

In Österreich war Kristofferson immer beliebt, seine Songs schafften es auch in TV-Serien wie "Ein echter Wiener geht nicht unter" oder "Kottan". Am Samstag tritt der Künstler im Wiener Konzerthaus auf. Schon heute ist er im Posthof Linz zu Gast, am Sonntag in Graz (Stefaniesaal).