Der brasilianische Komponist, Multiinstrumentalist und Sänger Vinicius Cantuaria ist im Bossa Nova ebenso zu Hause wie im Jazz. Mit "Indio de Apartamento" zeigt er einmal mehr, wie sehr er in der internationalen Musikszene angekommen ist. Der Wahl-New Yorker Cantuaria wurde 1951 in Manaus am Amazonas geboren und wuchs in Rio auf.

In den 1990er Jahren übersiedelte er in die Vereinigten Staaten und legte nach diversen brasilianischen Produktionen mit "Sol Na Cara" 1996 seine erste internationale Veröffentlichung vor. In den letzten Jahren arbeitete er vor allen Dingen mit renommierten Musikern zusammen, unter ihnen Brad Mehldau, Bill Frisell und Arto Lindsay. "Indio de Apartamento" setzt diesen Trend konsequent fort. Neben Frisell sind diesmal etwa Ryuichi Sakamoto und Norah Jones mit von der Partie.

Das Album beginnt mit dem zurückhaltenden "Humanos", das als Antithese wunderbar zu einem klar-kalten Wintertag passt. Wer nun erwartet, Cantuaria würde einfach weiter dem Ohr schmeicheln, sieht sich schon bei "Moça Feia" getäuscht. Dies ist vor allem Sakamoto zu verdanken, der einmal mehr zeigt, dass ein Klavier nicht nur Tasten besitzt, sondern auch ein Klangkörper ist. Auch bei "Arcorda" wird Cantuaria von Sakamoto begleitet.

Ausgerechnet diese beiden Stücke trauen sich denn auch Dissonanzen zu, die mit dem herkömmlichen Bild brasilianischer Musik brechen. "Quem Sou Eu" mit Norah Jones hingegen würde gut in eine Jazz-Bar um vier Uhr morgens passen. Allerdings findet sich auf dem Album auch ein belangloses Duett mit Jesse Harris ("This Time"), das den Hörgenuss etwas trübt. Abgesehen davon legt Cantuaria jedoch eine warmherzige Symbiose aus neo-brasilianischer Musik und Jazz vor.