Wer so heftig anklopft, muss etwas Dringliches zu erzählen haben: Insistentes Getrommel, von einer forschen Gitarre verstärkt, eröffnet das sechste Naked Lunch-Album "All Is Fever". Wenn dann Sänger/Gitarrist/Texter Oliver Welter aufgekratzt singt, "keep it hardcore / keep it real / keep it left / and please keep your will", dazu Chöre anheben und breitwandige Keyboards auffahren, steigert sich das Ganze mit dem weltumarmenden Appell "keep it hurray!" zur Hymne. 

Im Herbst ihrer Karriere: Naked Lunch mit O. Welter (2.v.r.). - © Foto: Pertramer
Im Herbst ihrer Karriere: Naked Lunch mit O. Welter (2.v.r.). - © Foto: Pertramer

Deren gibt es auf "All Is Fever" noch mehrere, aber diese hat programmatischen Charakter - eine Beschwörung an die Kräfte der Ausdauer und einem von Alter und Familienstand unbeeinträchtigten Festhalten an Idealen und Überzeugungen.

Das könnte als Allegorie auf die Kärntner Band selbst, die sich im dritten Jahrzehnt ihres Bestehens befindet, verstanden werden. Schon einmal stand sie vor dem Aus - aber just die Platte, die ihr Vermächtnis hätte werden sollen, nämlich "Songs For The Exhausted", erwies sich 2004 als Neustart in eine zweite Karriere: Vorbei war jegliches Kokettieren mit Star-Status, das die Anfangsphase der Band durchaus nicht immer vorteilhaft geprägt hatte und ihrer zweiten, fünf Jahre nach dem Debüt "Balsam" von 1992 erschienen LP "Superstardom" den Titel gegeben hatte.

Künstlerische Entgrenzung war stattdessen angesagt. Mit "Songs For The Exhausted" haben sich Naked Lunch, um eine Phrase hier einmal zurecht zu gebrauchen, "neu erfunden" und sich gleichzeitig als Institution in der österreichischen Indie-Szene festgeschrieben.

Solo- + Nebenprojekte


Um die Band hat sich eine Art Kreativzentrum gebildet - ähnlich wie im bayrischen Weilheim rund um The Notwist, mit denen Naked Lunch auch ein Naheverhältnis verbindet. Sänger Welter agiert oft solo oder in unterschiedlichen, losen Kooperationen (u.a. mit FM4-Mann Fritz Ostermayer); Keyboarder Stefan Deisenberger hat vor einiger Zeit mit dem recht ordentlichen Folk-Pop-Projekt "Love & Fist" aufhorchen lassen, und Bassist Herwig Zamernik, der die Naked Lunch-Alben in seinem "Fuzzroom" produziert, versucht sich als "Fuzzman" nicht unerfolgreich an einer eigenwilligen Deutung von Pop, Easy Listening und Schlager: Aktivitäten, ohne die sich die Musiker, wie sie gerne und vielleicht ein wenig fabulierlustig verlauten lassen, wenn nicht überhaupt gegenseitig erschlagen, so jedenfalls längst getrennt hätten.