Wer diese österreichische Formation einmal live gesehen hat - etwa beim letzten "wave"-Festival oder kürzlich im RadioKulturHaus -, der weiß, dass es sich dabei um eine der besten, druckvollsten und virtuosesten Bands des Landes handelt.

Ihr explosiver Sound - von David Furrers mitreißender Gitarrenarbeit befeuert - steigt bisweilen tief in den Rock- und Prog-Höllenschlund hinab, um dann unvermittelt, in oft harten Brüchen, mit Radiohead-Kopfstimmen hochzufahren. MILK+ fürchten sich auch sonst vor keinerlei Genre-Flirts, wozu hochriskante Jazz-, Funk- und Powerrockanleihen zählen.

Die mitunter die 7-Minuten-Grenze überschreitenden Songcollagen sind in ihrer Überkomplexität, die sich live körperekstatisch und synästhetisch abbaut, auf Scheibe ein doch eher zäher, monolithischer Brocken. Das zeigt auch das nunmehrige zweite Album, "Band On Wire", ein Konzeptalbum - auch so eine aus der Zeit gefallene Gattung. Darauf wird der Drahtseilakt von Phillipe Petit thematisiert, der 1974 den Abstand zwischen den beiden World-Trade-Center-Türmen in 417 Metern Höhe überwand. (Auch The Nits haben diesem Akrobaten auf ihrem letzten Album einen Song gewidmet.) Der von Ikey Owens (Mars Volta, Jack White) produzierten - und auf zwei Nummern am Keyboard begleiteten- Platte des Wiener Trios fehlt allerdings die feinfühlige Balance des Seiltänzers. Sie brettert, donnert und stürzt in wilden Kaskaden Richtung Abgrund, hält sich nur vorübergehend, in kurzen balladesken Ruhepausen, im Gleichgewicht. Eine sehr anstrengende Tour, aber - wie gesagt - live ein echtes Ereignis!

Am 8. Februar treten MILK+ im Wiener Flex auf.

MILK+: Band On Wire. (monkey/GoodToGo)