Warten lohnt sich nicht immer. Vor allem wenn es mehr als zwanzig Jahre sind. Und je höher die Erwartungen, desto größer die Enttäuschung. Nicht jedoch in diesem Fall. Frohlocket und jauchzet - My Bloody Valentine sind zurück, und wie!

"MBV" ist schlicht betitelt einfach genial. Als wäre kein Jahr vergangen, seit die Truppe um Kevin Shields 1991 mit "Loveless" ihr Meisterwerk veröffentlichte. Irgendwie hatte man das auch vermutet: Shields, der angeblich schon mehrere Alben in den letzten 22 Jahren aufgenommen und wieder verworfen hat, ist viel zu perfektionistisch, um etwas an die Öffentlichkeit zu lassen, das nicht das hohe Niveau von "Loveless" und dem ebenso guten Vorgänger "Isn’t Anything" (1988) erreicht.

Mit diesen beiden Meilensteinen der Gitarrenmusik hatte die britisch-irische Gruppe einen Sound hervorgetrieben, den es vorher so noch nicht gegeben hatte: kreischende Feedbackorgien, die aber ein wohliges Gefühl von Wärme und Zärtlichkeit erzeugten; ein reinigendes Klangbad aus Rückkoppelungen, unter denen die sanfte Frauenstimme von Bilinda Butcher einlullend sang, während Drummer Colm Ó Cío-sóig für dumpfe perkussive Akzente sorgte.

Doch Genie hat seinen Preis: Der Oberperfektionist Shields brauchte im Studio so viel Zeit für "Loveless", dass er sein Plattenlabel fast finanziell ruiniert hätte. Da das Album seinerzeit trotz bester Kritiken kein kommerzieller Erfolg wurde, verlor er seinen Vertrag. Damit begann die lange, viel zu lange Pause, in der man von Shields wenig hörte, der durch seine zeitweilige Mitgliedschaft bei Primal Scream freilich für ein extrem belebendes Update von deren Sound sorgte - und damit demonstrierte, dass er seinen magischen Touch nicht verloren hatte.

Mit "MBV" schließt die Band nun nahtlos an ihren Signatur-Sound an, schafft auf neun neuen Songs aber zugleich einen musikalischen Anschluss ans 21. Jahrhundert. Ein Album, das erschaudern macht vor Grandiosität.