Wie viele Jazzer braucht man, um eine Wagner-Oper zu spielen? Nein, das ist jetzt nicht so etwas wie ein Blondinenwitz, sondern völlig ernst gemeint. Womöglich rotiert Richard Wagner dieser Tage vor Freude im Grabe: Kurz vor seinem 200. Geburtstag gibt der große Unbescheidene nicht nur in der Opernwelt den Ton an, sondern treibt auch Jazzer zum Improvisieren. Gleich zwei Alben sind soeben bei ACT Music erschienen, die Zugänge denkbar unterschiedlich.

Homogenere Resultate erzielt der Bassist Dieter Ilg (zum anderen Projekt: siehe unten).Nur drei Mann braucht es hier für Wagners "Parsifal". Zwar mag das wie eine Ausgeburt neoliberaler Sparwut klingen und befremdet anfangs auch tatsächlich - die ersten Takte des Vorspiels sind zu einer dürren Klavierlinie geschrumpft. Insgesamt aber glückt hier ein Charisma-Transfer vom Opernbombast zum Kammerjazz. Dabei werden Klassik-Zitate nicht einfach einem Improvisationskreislauf einverleibt, sondern durchdringen sich mit Eingebungen des Moments - was mitunter zu einem Wuchern der Melodien führt, wie man es aus dem Wagnerkosmos kennt.

Note für Note wird aber fast nichts reproduziert: Künstlerische Freiheit dürfte Ilgs Mannen so heilig sein wie Opernfans eine Partitur. Doch trotz aller Ferne von dieser: Der Emotionsgehalt von Wagners "Bühnenweihfestspiel" blitzt in den geschmeidigen Interaktionen, aufbrausenden Soli und entrückten Balladen dieses Instrumentaltrios immer wieder auf -mögen Wagnerianer auch die Braue heben, wenn der "Tor" nicht nur "rein" ist, sondern auch funky.

Dieter Ilg: Parsifal. (ACT Music)