Coverversionen sind seit jeher eines der interessantesten musikalischen Phänomene - und können vieles sein: kreative Spielerei mit fremdem Material, musikalische Herausforderung, Hommage an seelenverwandte Künstler, der Versuch, Traditionslinien zu knüpfen und am Teppich eines Song-Kanons mitzuweben, und nur in den seltensten Fällen sind sie ein Indiz dafür, dass einem selber nichts einfällt.

Georg Altziebler alias Son of the Velvet Rat. - © Foto: Helmut Utri
Georg Altziebler alias Son of the Velvet Rat. - © Foto: Helmut Utri

Abgesehen von diesem Fall - für den am ehesten die französische Band Nouvelle Vague mit ihren biederen Achtziger-Jahre-Aufgüssen stehen kann -, ist es also alles andere als ehrenrührig, sich bei Anderen zu bedienen, um etwas Eigenes daraus zu machen. Mehr noch: Wie langweilig wären etwa Johnny Cashs legendäre "American Recordings", bestünden sie nur aus Songs, die der Meister höchstpersönlich komponiert hat. Und so manche Song-Perle hat es vermutlich überhaupt nur in unser musikalisches Gedächtnis geschafft, weil sie eindrucksvoll gecovert wurde.

Ein schönes Beispiel dafür ist "The Ballad of Lucy Jordan", dieses düster-traurige Stück über eine Frau, die mit 37 Jahren nichts mehr vom Leben erwartet und sich deshalb vom Dach stürzt. Geschrieben wurde der Song von Shel Silverstein (aus dessen Feder auch Cashs berühmtes "A Boy Named Sue" stammt), und zwar für die heute weitgehend vergessenen Dr. Hook & The Medicine Show, die ihn 1974 als Single veröffentlichten. Wirklich berühmt wurde der Song aber erst vier Jahre später, als ihn Marianne Faithfull mit enormer Intensität und Glaubwürdigkeit auf ihrem Album "Broken English" präsentierte. In dieser Version fand er dann auch Eingang in den Soundtrack zu Ridley Scotts mehrfach für den Oscar nominiertem Film "Thelma & Louise".

In Nashville eingespielt


Belinda Carlisle und Lucinda Williams haben den Song ebenfalls eingespielt, und ihnen gesellt sich nun Georg Altziebler hinzu. Als Son of the Velvet Rat hat sich der Grazer mit bisher fünf Alben als Meister melancholischer Americana-Musik etabliert (auf dem letzten Album "Red Chamber Music", 2011, hat übrigens keine Geringere als besagte Lucinda Williams zwei Gastauftritte), und dass er einige davon in Nashville, Tennessee, eingespielt hat, zeigt nicht nur, wo seine musikalischen Vorbilder beheimatet sind, sondern darf durchaus als Qualitätsausweis verstanden werden.