Die Zeilen "Even though I have felt beaten down / by constant doubt / depression and confusion / brought about by people’s actions / death and tax forms / I keep getting up / and I am loved by all my friends and family / though there have been lots of raised eyebrows and concernd glances lately", singt John Grant auf seinem fabelhaften neuen Album, "Pale Green Ghosts". Der betreffende Song, "It Doesn’t Matter To Him", nimmt dann zwar eine schon im Titel indizierte, verstörende Wendung - dem Geliebten ist das alles Wurscht -, trotzdem ist der zitierte Teil die grundsätzliche Wahrheit im Leben des John Grant.

Ein Mann mit vielen Seiten und Wahrheiten: John Grant. - © Foto: H. Sveinsson
Ein Mann mit vielen Seiten und Wahrheiten: John Grant. - © Foto: H. Sveinsson

Selten passt die Phrase "stieg wie Phönix aus der Asche" so gut zu jemandem wie zu diesem Mann: Zwischen Grants erster Karriere als Sänger der von Insidern hoch geachteten, aber nicht breitenwirksamen Indie-Folk-Rolk-Band The Czars und seinem zweiten Leben als gefeierter Solo-Performer, bei dem sich Stars wie Rumer, Sinead O’Connor oder Hercules & Love Affair um Kooperationen anstellen, liegt ein tiefer Graben aus Alkoholismus, Drogensucht und Depression, in dem ihm schon einmal ein Ende von eigener Hand als ultimative (Er-)Lösung erschien.

Immens sprachbegabt


Heute gibt sich der fabelhaft sprachbegabte 44-Jährige, der besser Deutsch spricht als drei Viertel aller Österreicher, ebensogut Russisch beherrscht, solide auf Spanisch und Französisch parliert und sich auf niedrigerem Level sogar in skandinavischen Sprachen und selbst im Holländischen zurechtfindet, als rastloser Kosmopolit. In Michigan geboren, in Colorado aufgewachsen und danach in New York, London und Berlin ansässig gewesen, lebt er jetzt in Reykjavik. Dort ist auch seine neue Platte entstanden. Unnötig zu erwähnen, dass er sich bereits in intensivem Clinch mit den Feinheiten der isländischen Grammatik befindet.

Nicht nur biografisch trennen Grant von seiner Vergangenheit mit den Czars mittlerweile Welten, sondern auch künstlerisch. Dass sich der gleichermaßen voluminöse wie feingetunte, durch Geigen und Elektronik-Parts behutsam interpunktierte Gitarren-Sound der Czars nicht so ohne Weiteres in Solo-Projekte transferieren lassen würde, war von vornherhein klar. Für "Queen Of Denmark" (2011) adaptierte Grant in der Begleitung der texanischen Folk-Band Midlake den mainstreamigen Balladen-Pop eines Elton John oder gar Lionel Richie verbüffend stimmig. Über eine ziemlich kurze, ungefähr im zweiten Viertel der elf Tracks umfassenden LP angesiedelte Spanne knüpft "Pale Green Ghosts" auch durchaus an diese Spielart an.