Selten ist die prätentiös-exquisite musikalische Manier dieses New Yorker Quartetts treffender beschrieben worden als kürzlich von Max Scharnigg in der "Süddeutschen": ". . . die ständige Bereitschaft, einem perfekten Song in der Mitte ein Bein abzunehmen und ihn dann nur noch zum Schlag einer blechernen Off-Beat-Snare im Kreis humpeln zu lassen."

Diesen Amputationsgelüsten hat die mit allen feinen Wässerchen gewaschene und besprühte Ivy-League-Band rund um Sänger Ezra Koenig auf ihrem dritten Album, "Modern Vampires Of The City", weitgehend widerstanden. Der Song "Step" etwa, ein hübsches Pop-Menuett zu Cembaloklängen und ein früher Höhepunkt dieser Wunderkammer an Sounds & Styles, darf beidbeinig bleiben und raumgreifend ausschreiten und dahintänzeln.

Aber gleich an der nächsten Nummer, der Single "Diane Young", wird heftig geschnipselt: Der rockabillyhafte Shuffle mit dem akustisch auf falsche Fährte lockenden Titel (er klingt wie "Dying Young") wird so lange und kräftig durchgeschüttelt, bis die Stimme von Koenig rauf und runter japst, aus vocoderhaft schlingernden Tiefen bis in schrille Höhen hinauf. Auch der Rest des erlesenen Song-Dutzends ist voller Raffinessen und gefinkelter Wendungen, weshalb es einem aber noch nicht gefallen muss. Wenn man etwa Ezra Koenigs bubenhaftes, noch immer frappant an den jungen Paul Simon erinnerndes Organ nicht mag, wird man sich für dieses Virtuosenstück jedenfalls keinen Haxn ausreißen . . .

Vampire Weekend: Modern Vampires Of The City (XL / Indigo)