Lauter als seine Vorgängerwerke werde ihr neues Album sein, versprach Julia Holter zuletzt bei ihrem großteils überzeugenden Konzert im Wiener WUK. Der Titel scheint es ja auch zwingend zu indizieren: "Loud City Song". Die Platte entspricht nun zwar nicht ganz dem teilweise druckvollen Live-Eindruck, offensiver aber ist sie tatsächlich. Wie "Tragedy" (2011) und "Ekstasis" (2012) ist auch der dritte Streich der US-Amerikanerin thematisch lose gerahmt: Ihm liegt das 1958 mit Leslie Caron und Maurice Chevalier in der Regie Vincente Minnellis verfilmte Musical "Gigi" zugrunde. Die Geschichte spielt in Paris um die Wende vom 19. auf das 20. Jahrhundert. "Maxim’s I" und "Maxim’s II", die beide recht anschauliche Bilder der Gesellschaft im gleichnamigen Pariser Restaurant, gefiltert durch den Blick einer jungen Frau, zeichnen, sind solchermaßen eine Art thematische Klammer der Platte. Deren stilistische Bandbreite reicht von kammermusikalischem Jazz, Chanson und brüchigen Balladen bis hin zu durchaus schwungvollem Pop - und steht Holters stimmlicher Vielseitigkeit, die schon der Wien-Auftritt demonstrierte, gut an.

Julia Holter: Loud City Song. (Domino/GoodToGo)