Die in Louisiana geborene und heute von Brooklyn aus operierende Vokalakrobatin und einstige Bedroom-Produzentin Julianna Barwick liefert auf ihrem zweiten Album unter eigenem Namen Soundtracks, für die es keinen Film braucht. Es reichen auch eine Liegewiese, ein Baumwipfel und der Himmel - oder die vorbeiziehenden Gegenden auf einer Zugfahrt durchs Land, um den erhabenen Klang von "Nepenthe" zu illustrieren.

Auf Basis lichtdurchflutet-sakraler, akut ätherischer und überwiegend textfreier Seufzgesänge, die unter dem gelegentlichen Zutun schwerer Klavierakkorde und melancholisch gestimmter Streicher himmelwärts fahren, gelingt ein überzeugendes Stück Musik im Fachgebiet Zerdehnung und Zeitlupe. Bisweilen fühlt man sich an die getragensten Momente von Sigur Rós erinnert, die Barwick zuletzt im Vorprogramm mit auf Tournee nahmen und ihr mit Alex Somers einen Langzeitpartner als Produzent für das in Island eingespielte Werk zur Verfügung stellten.

Wie man die zehn neuen Songs auf Englisch beschreiben würde: As ambient as ambient can get.

Julianna Barwick: Nepenthe. (Dead Oceans/Cargo)