(strejc) Im Jahre 1971 flimmerte ein merkwürdiger Streifen über die Leinwände, in dem skandinavische Darsteller unter Leitung von Hervé Lamarre, Sven Olsen und Sven Holm die Zuseher nach "Sexopolis" einluden. Das Bemerkenswerte daran war aber nicht die erotische Fantasiestadt gleichen Namens, sondern vor allem die Filmmusik, die in einer Psychedelic-Schräglage zwischen Ethno-Pop und frühen Pink-Floyd-Platten angesiedelt war.

Für die innovativen und zeitlosen Flöten- und Hammondklänge zeichnete Jean-Pierre Mirouze verantwortlich, dessen Vater Marcel in Monte Carlo und Nizza als Dirigent arbeitete. Jean-Pierre spezialisierte sich in den 1960er Jahren auf ethnographische Filme (etwa über Algerien) und war in diesem Umfeld auch an der Seite des 2004 verstorbenen Regisseurs Jean Rouch tätig. Der nun auf Vinyl oder CD erhältliche Original-Soundtrack, der unlängst in einem Abfallcontainer (!) entdeckt wurde, stellt nichts weniger als ein Zeitdokument der frühen Siebziger dar - und ein musikalisches Gesamt-Kunstwerk mit Afro-Perkussion und insgesamt neun instrumentalen Tracks.

Jean-Pierre Mirouze: Le Mariage Collectif (Born Bad Records/Broken Silence)