Die Folk-Legende Pete Seeger ist tot. Der Sänger, Banjospieler und politische Aktivist starb im Alter von 94 Jahren in einem New Yorker Krankenhaus. Musiker wie Joan Baez und Bruce Springsteen orientierten sich an seinen Liedern und Bearbeitungen .

Am 8. Juni 1963 war die westliche Welt voll Hoffnung auf bessere Zeiten. Das war eine Sternstunde für Pete Seeger, der in der Carnegie Hall eine Mischung aus traditionellem Liedgut und politischen Songs präsentierte, vor einem Publikum, das bei "We shall overcome" mitsang und an jedes Wort glaubte. Wie bei allen Bewegungen blieben die Enttäuschungen nicht aus, der faszinierende Konzertmitschnitt vermittelt jedoch noch heute die Aufbruchstimmung der Sechzigerjahre.

Und der 1919 geborene Pete Seeger war eigentlich immer dabei. Zunächst als Musikforscher, der gemeinsam mit dem legendären Musikethnologen Alan Lomax, über den er unter anderem den Bluesgitarristen Leadbelly kennenlernte. Noch wesentlicher war die Begegnung mit Woody Guthrie, der wie kein anderer die vielfältige amerikanische Folkmusik mit politischen Aussagen verband. Durch ihn kam Seeger nicht nur zur Young Communist League, sondern er entwickelte das Konzept eines musikalischen Journalismus, der mit aktuellen Songs und Statements zu aktuellen Themen Stellung nimmt. Die praktische Umsetzung erfolgte im Quartett mit Guthrie, Millard Campbell und Lee Hays als Almanac Singers.


Seeger machte alleine weiter, reiste mit Banjo und - meist 12-saitiger - Gitarre durch die Welt, sammelte Lieder und ging keiner Diskussion aus dem Weg, wobei er in der Folkszene bisweilen auf der Seite der orthodoxen Fraktion stand. Die Themen gingen ihm nicht aus, und die guten Songs, die er von Bob Dylan, Tom Paxton und anderen übernahm, auch nicht. Seine eigenen Qualitäten als Songwriter bewies er mit dem melancholischen "Snow, Snow" ebenso wie mit dem anklagenden "Last Train to Nuremberg", in dem er einen Nürnberger Prozess für US-Kriegsverbrechen in Vietnam fordert.

Inzwischen galt er bereits als Lehrmeister einer neuen Generation von Folksängern wie Peter, Paul & Mary, Karen Dalton, Joan Baez oder den australischen Seekers. Mit dem Band "The Incomplete Folksinger" festigte er diese Stellung noch.

Ruhe gab Seeger freilich nicht. Er engagierte sich für die von ihm mitgegründete  Umweltorganisation Clearwater, für Amnesty International, gegen  George W. Bushs Kriegspolitik und für Occupy Wall Street. 2001 erzählte mir Woody Guthries Tochter Nora, dass Pete Seeger der engagierteste Aktivist weit und breit sei: "Er ruft uns immer an, dass es da eine Demonstration und dort eine Versammlung gibt, wenn wir noch gar nichts davon wissen."

2006 erschienen die "Seeger Sessions" von Bruce Springsteen, eine Sammlung von Signature Songs des Banjospielers in neuem Gewand. Pete Seeger selbst war auch nicht untätig. Neben Auftritten mit Arlo Guthrie und seinem Enkel Tao Rodriguez nahm er 2008  die CD At 89 auf.

2009 erwiesen ihm Musiker wie Judy Collins, Bruce Springsteen, Joan Baez, Kris Kristofferson, Emmylou Harris, Béla Fleck, John Mellencampm,  Tom Morello, Bruce Cockburn, Emmylou Harris und Eddie Vedder noch einmal ihre Referenz mit einem Tribute-Konzert zum 90. Geburtstag.

Nach seinem Fortgang gilt, was er bei diesem Konzert vor "This Land Is Your Land" zum Publikum sagte: "I gave you the words and you sing along."