Zweifelsohne hätte es sich Hansi Hinterseer auch einfach machen und dabei bleiben können, unter Rückgriff auf einen Biersponsor am Stirnbandl launig aus der ORF-Kabine heraus zu kommentieren, wenn etwa Benni Raich über den Ganslernhang wedelt: "Leitln, i sog’s enk, bärig is’ heit!"

Weil man der Welt aber auch etwas mehr von dem zurückgeben muss, was der Herrgott einem geschenkt hat - zu einem Wohnsitz im Heiligen Land Tirol kommt bei Hansi Hinterseer auch eine Weltkarriere in den Schlagerkarussell-Einzugsgebieten Deutschland, Österreich, Schweiz und Vinschgau -, kennt man den blondesten Skifahrer von seinerzeit längst vor allem als volkstümlichsten Star unserer schönen Hoamat. Wichtig ist dabei allerdings, die von ihm für den Rollenwechsel erbrachten Opfer nicht zu übersehen.

Sodom auf Obstlerbasis

Zur entzückenden wie erdrückenden Liebe eines Publikums, das seinen Hansi ohne dessen Einwilligung gleich auch zum Schwiegersohn imaginiert, gesellt sich nicht nur die Gefahr, in der Stadthalle Villach mit einem Rollator zu kollidieren - oder vom eigenen Fanclub noch bei Lebzeiten unter dem Rosenhügel beerdigt zu werden. Anders als bei einem auf BHs und Höschen gebuchten Tom Jones gilt es für Hansi Hinterseer auch noch, Plüschtieren von der Größe eines Karl Moik auszuweichen. Vor allem aber die von Christian Tramitz und Roland Düringer als "Die Gipfelzipfler" skizzierten Abgründe der Schlagerbranche, die etwa auch depressive Schübe und ihre Bekämpfung per Serotonin-Wiederaufnahmehemmer und Spritzwein bedeuten, gilt es zu überstehen. Das Publikum glaubt, es ist die heile Welt, dabei herrscht backstage Sodom auf Obstlerbasis!

Gerüstet gegen Abgründe dieser Art ist Hansi Hinterseer über seinen grundsoliden Lebenswandel und beispielsweise auch den ihm fehlenden Zynismus. So gekünstelt sein tatsächlich nahe an die heile Welt reichendes Werk für Fachfremde wirken mag, Hörer wissen: Der Hansi ist echt. Davon kann man sich bei der Fanwanderung über die schönen Berge in "Kitzbichl" - einmal mit dem Hansi rein in die Mausefalle, wer möchte das nicht? - ebenso überzeugen wie längst auch bei gemeinsamen Reisen in die ferne Türkei.

Dass die Verpflegung in dortigen All-inclusive-Clubs nicht mit dem Angebot einer tirolerischen Skihütte mithält und man einen Kaspressknödel in Alanya de facto nicht kennt, ist spätestens vergessen, wenn Hansi Hinterseer am Abend ein Liadl singt. Während sich im Zuge der Fanwanderung zum Gipfelkreuz bevorzugt Jesus-Analogien aufdrängen, ist Hansi Hinterseer von der Lippenbewegung her übrigens eher eine Madonna. Die Fans aber stört das nicht. Glaube hat immer auch mit Vertrauen zu tun.

Die frohe Botschaft

Zu schunkelnden Rhythmen, einem gemächlich hatscherten Bierzeltbass, am Casio-Keyboard gespielten Akkorden und den sie umschmeichelnden Dosentrompeten zählt vor allem, dass die Lieder etwas Tröstliches haben. Frohbotschaften ("So ein schöner Tag"), Liebesbekundungen ("Servus schöne Wirtin", "Ich hab dich einfach lieb") und streng auf den Alpenraum beschränkte Standortbestimmungen ("Ich gehör’ den Bergen", "Viele Grüße aus Tirol") bestimmen das Werk. Ausnahmen bestehen nur in pflichtschuldig eingesungenen Weihnachts- und Kinderliedalben sowie vor allem in Hinterseers christlicher Phase mit den beängstigend klingenden Zithergebeten der Aufnahme "Vater, dein Wille geschehe" von 2002.

Aufgrund der Beendigung seiner TV-Arbeit durch die ARD stand im Vorjahr zwar auch Verdruss auf dem Programm. Dank der gewohnt positiven Einstellung Hinterseers verzog sich der Ärger aber beinahe so schnell wie der Nebel über dem Hahnenkamm. Manda, am kommenden Sonntag wird der Schlagerstar sechzig! Und wie heißt es auf dem Album "Heut’ ist dein Tag" doch so schön: "Von allem für dich nur das Beste / Ab heut’ nur noch Gaudi und Feste!"