Noch immer überwältigt von dem letztlich auch für sie unerwarteten Triumph zeigte sich Conchita Wurst am Sonntagmittag bei der Rückkehr aus Kopenhagen im Rahmen einer Pressekonferenz am Wiener Flughafen. Dass ihr Gewinn auch politisch zu verstehen sei, hofft die Drag Queen sehr: "Es war nicht nur ein Sieg für mich, sondern ein Sieg für die Menschen, die an eine Zukunft glauben, die ohne Ausgrenzung und Diskriminierung funktionieren kann." Den Blick nach vorne hatte Wurst allerdings bereits in der Nacht in Kopenhagen gerichtet und sich selbst ins Spiel als mögliche Gastgeberin des 60. ESC in Österreich gebracht.

Die Planungen für das Megaevent - immerhin der größte Musikwettbewerb der Welt mit mehr als 120 Millionen Fernsehzuschauern - sollen gleichsam am Montag beginnen, wie ORF-TV-Unterhaltungschef Edgar Böhm überglücklich versicherte. Man werde eine Task Force freistellen, welche die Veranstaltung vorbereite: "Das ist ein Riesentschoch." Laut ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz habe man schon begonnen, Gespräche zu führen. "Es ist eine große Aufgabe, die eine nationale Kraftanstrengung sein muss. Die Republik, die Stadt, die das austragen wird, so etwas kann nur funktionieren, wenn das ganze Land hinter der Idee steht", so Wrabetz. Die für viele offensichtliche erste Wahl, die Wiener Stadthalle mit einer Kapazität von 16.000 Menschen, stehe jedenfalls bereit, wie Stadthallen-Chef Wolfgang Fischer angab.

Zunächst ist aber noch das Feiern und die Freude angesagt, was auch für die meisten Kollegen von Conchita Wurst gilt. Österreichs Pop-Export Christina Stürmer freute sich "sehr für sie und für unser Land". "Es ist einfach toll zu sehen und zu spüren, dass Europa hiermit ein Zeichen für Toleranz und gegen Diskriminierung setzt", so Stürmer. Falco-Produzent Markus Spiegel konstatierte lakonisch: "Die richtige Frau zur richtigen Zeit." Sogar Ex-ESC-Teilnehmer Alf Poier, der vorab mit Ausfälligkeiten aufhorchen ließ, gratulierte auf Facebook: "Platz 1 für Österreich ist sensationell. So viel Fairness muss sein!"

Der Sieg der bärtigen Diva wird nicht zuletzt auch von der Mehrheit der österreichischen Politiker als Zeichen für Toleranz und Respekt gewertet - vom Bundespräsidenten abwärts. "Dass sie ihren Sieg all jenen widmete, die an eine Zukunft in Frieden und Freiheit glauben, macht ihn doppelt wertvoll. Ein schöner Tag für Österreich!", konstatierte etwa Heinz Fischer.