(b. j.) Eine Platte als zwingendes Argument für den guten alten Minimalismus: Das soeben erschienene selbstbetitelte Debüt von Sylvan Esso aus dem US-Bundesstaat North Carolina braucht nicht mehr als die Stimme der grundsätzlich vom Folk kommenden Sängerin Amelia Meath und die digitalen Gerätschaften von Nick Sanborn, der sich hier als Arrangeur und Produzent verdingt.

Damit fabriziert das Duo einen eigentümlichen Stilmix aus Songs, die manchmal sogar wie Kinderlieder anmuten - "Hey Mami" heißt ja auch gleich der Opener - und deren Melodien und Texte eher assoziativ vor sich hinschlingern als dass sie wirklich durchkomponiert wirken. Die Ergebnisse treffen dabei ebenso auf kantigen Synthie-Pop wie auf elektronischen Rockabilly und Rhythm & Blues. In "H.S.K.T" wiederum, einem der herausragenden Songs dieses Albums, ist sogar ein unterschwelliger Gospel-Einschlag herauszuhören. Tanzbar und spielerisch fügen sich die zehn Nummern zur sprichwörtlich idealen Sommerplatte: Wir hören leichtgewichtige, auf raffinierte Weise von jeder Erdenschwere befreite Musik zur Kühlung erhitzter Nervensysteme.