Eines gehört jedes Jahr zum Nova Rock dazu: der Staub. Um sich davor zu schützen, hatten die Festivalbesucher kreative Ideen: Masken, vors Gesicht gebundene Tücher und Schals oder Ganzkörper-Anzüge, die dem Staub keine Möglichkeit boten, sich auf der Haut als getarnte Sonnenbräune niederzulassen. Überhaupt glich das Festival einem Faschingsumzug: Oft genug kamen einem auf Wanderschaft von der einen zur anderen Bühne rosa Hasen, Tiger oder sonstige schrille Figuren entgegen.

Es ist schon ein eigenes Universum, das Nova Rock in Nickelsdorf. Drei Tage lang sind eine gute Kinderstube und eventuelle Ekel- oder Hemmschwellen vergessen. Was zählt, ist der Spaß - am Feiern, am Trinken und an der Musik.

Zum Auftakt am Freitag startete das dreitägige Festival mit Bands wie Limp Bizkit und Crazy Town. Ja, die gibt es noch. Für gute Stimmung unter den Hip-Hop-Fans sorgte der deutsche Rapper Casper, der mit seinen Texten das Publikum überzeugt. Danach beglücken die Metaller von Sepultura die Menge mit hartem Gitarren-Sound. Die Headliner The Prodigy verwandelten den Platz schließlich in eine große Party.

Verdutzte Metaller

Der zweite Tag ist bekanntlich anstrengender als der erste, da man vor lauter Feiern oft auf den Schlaf vergisst. Wer es daher am Samstag lieber ruhiger angehen wollte, statt sich als Headbanger bei Anthrax oder Amon Amarth zu betätigen, der konnte sich von den Pop-Rockern Sunrise Avenue einlullen lassen, deren eher romantischer Sound nach anfänglichen technischen Problemen doch noch zu hören war. Wer es mit dem Headbangen etwas übertrieben hatte, mochte sich derweil am Massagestand entspannen.

Den ersten Konzert-Höhepunkt des Tages lieferten Iron Maiden mit ihren Hits "The Number of the Beast" oder "Run to the Hills". Sänger Bruce Dickinson rockte in einem englischen Ganzkörper-Trikot die Bühne.

Das war jedoch nicht der letzte Höhepunkt des Abends. Das von vielen erwartete und von einigen gefürchtete Spektakel stand noch bevor. Gegen Mitternacht betrat nämlich David Hasselhoff die Bühne. Trotz Verspätung und einiger schiefer Töne konnte "The Hoff" zumindest seine Fans begeistern, während einige Rock- und Metal-Fans verdutzt aus der schwarzen Wäsche guckten. Verwirrt zogen einige Besucher im Laufe des Konzertes von dannen, um entweder zur anderen Bühne zu flüchten, wo gleichzeitig die Reggae/Dancehall-Gruppe Seeed auftrat oder weil der Alkoholpegel doch zu niedrig war, um diesen Auftritt zu ertragen. Ein Zuschauer warf sogar einen Burger auf die Bühne, worauf David Hasselhoff entgegnete: "Don’t Hassel the Hoff, or you will end up in a hospital!"

Herzig, der Prince of Darkness

Insgesamt zeigte er in seinem engen USA-Shirt, umgeben von leicht bekleideten Tänzerinnen, somit Humor und bescherte dem Publikum dank seiner eingespielten Videos von "Knight Rider" oder dem Paradebeispiel eines Trash-Videos, "Hooked on a feeling", lustige Momente. Seine ins Publikum gerufenen Worte beschreiben den wohl skurrilsten Auftritt des gesamten Festivals sehr treffend: "Bist du deppert?"

Am Sonntag lud Rob Zombie zu einer Geisterbahnfahrt mit King Kong und Frankensteins Monster auf der Bühne ein, während zur gleichen Zeit Fettes Brot mit ihren positiven Vibes gute Laune verbreiteten. Der letzte Tag des Festivals endete mit einem finalen Highlight. Black Sabbath traten rund um den legendären Ozzy Osbourne und den Gitarristen Tony Iommi auf. Jenseits der 60, vom Leben gezeichnet, aber immer noch fit, hüpfte Ozzy auf der Bühne herum und animierte das Publikum, das dem "Prince of Darkness" zujubelte. Fast schon herzig, wie Ozzy Osbourne wie ein kleines Kind auf der Bühne hin- und herlief und ihm die Freude über den Auftritt regelrecht ins Gesicht geschrieben stand. Mit wuchtigen Klängen und in Top-Form eröffnete die Heavy-Metal-Legende mit "War pigs" das Schlusskonzert und spielte bis zum Finale, in der der Hit "Paranoid" aus dem Jahr 1970 ertönte. Somit bescherten Black Sabbath mit ihren harten Gitarrenriffs und Ozzys markanter Stimme dem Nova Rock 2014 einen gebührenden Abschluss. Danach bestaunte die erschöpfte Menge das obligatorische Feuerwerk über den Pannonia Fields.

Wer ältere Menschen lieber meidet, war am diesjährigen Nova Rock freilich fehl am Platz. Die Rock- und Metal-Legenden von damals sind nun einmal in die Jahre gekommen. Und weil das auch ihre Fans sind, ist das Festival ein Treffpunkt der Generationen, um das Leben bei mehr oder auch weniger guter Musik zu feiern. Am Ende bleiben die Erinnerungen - und ganz viel Müll.