Adrian Thaws alias Tricky ist aktuell nicht in Hochform. - © !K7
Adrian Thaws alias Tricky ist aktuell nicht in Hochform. - © !K7

Die Kunst der Verstörung wurde hier schon immer großgeschrieben: Tricky, das bedeutete in den besten Momenten bedrohliche Musik mit dunkel geflüsterter, dank Verzerreffekten zerrinnender Stimme über dampfend-flüchtigen Soundscapes, die durch dichte Cannabiswolken strömend auch reale Alpträume vertonte. Immerhin trug das Debütalbum des als Adrian Thaws in Bristol geborenen Trip-Hop-Vorreiters den Namen seiner Mutter, die sich 1972 das Leben nahm. Tricky war damals vier Jahre alt, kam in die Obhut seiner Oma und entfloh der Wirklichkeit über das Patschenkino und dort auch als Inspiration für die spätere Arbeit vorgefundene Horrorfilme.

Zuletzt wurde das Wort "Verstörung" bei Tricky aber in einem anderen Kontext verwendet. Augenzeugen berichteten etwa von einem Konzert im burgenländischen Wiesen, bei dem ein neben sich stehender Tricky erst im Juli mehrere Songs nach wenigen Takten abbrach, um zwischendurch von der Bühne zu gehen und nach einer halben Stunde endgültig zu verschwinden. Das war auch insofern schade, als Tricky mit dem 2013 veröffentlichten Album "False Idols" seine konziseste Arbeit seit langem im Gepäck gehabt hätte. Die Nachricht von einem weiteren neuen, für Herbst anberaumten Album wiederum sorgte dann auch wegen der inhärenten Gefahr eines Schnellschusses für Skepsis.

Von von bis bis


Mit "Adrian Thaws" steht zwar Trickys bürgerlicher Name als Titel des nun erscheinenden Werks auf dem Cover - sein elfter Streich verzichtet dann aber auf Autobiografisches. Man muss diesen Umstand noch nicht unbedingt als Inkonsequenz deuten: Immerhin wird hier laut künstlerseitigem Statement ein "Club- und Hip-Hop-Album" kredenzt. Das allerdings kann anhand der Ergebnisse nur teils nachvollzogen werden. Sicher ist, dass die karrierelange Neigung des heutigen Wahllondoners zum stilistischen Wechsel nun für ein Album sorgt, das nicht heterogen, sondern richtungslos wirkt.

Bei nobler Zurückhaltung Trickys am Mikrofon zugunsten gut gewählter Gaststimmen wie dem Hip-Hop per Gender- und Queer-Thematik aufmischenden US-Rapper Mykki Blanco oder der deutsch-nigerianischen Sängerin Nneka hört man das große "Von von bis bis" frei nach Ernst Jandl. "Sun Down" pluckert zum Auftakt auf Prince-tauglicher Vintage-Beat-Basis, "Lonnie Listen" erinnert an den 90er-Jahre-Elektro-Rap Mobys, und "Something In The Way" kommt als nächtliche Kontemplation daher. Gut das zwischen Bluesgrundierung und elektronischem Surren oszillierende "Keep Me In Your Shake" oder "My Palestine Girl", das bei Massive Attack in ihrer "Mezzanine"-Phase andockt und zu aus dem Hintergrund schallendem Sirenengeheul über eine vom Konflikt in der Region torpedierte Liebe in Gaza erzählt.

Wenn "Why Don’t You" mit feisten Stromrockrockriffs der Marke The Prodigy und einem angestaubten Junglebeat auffährt, um mit "Silly Games" von Lalelu-Reggae abgelöst zu werden, darf man aber aus exakt nur einem Grund nochmals an Trickys Debütalbum denken. Die erste Textzeile darauf lautete: "You sure you want to be with me? I’ve nothing to give . . ."