Das ist Ihnen gelungen. Kritiker werfen Ihnen vor, mit Ihren Auftritten ein totalitäres Regime zu unterstützen.

Haben wir etwa das Regime in den USA unterstützt, als wir unsere bislang sechs Tourneen dort gefahren sind? Natürlich nicht. Wir unterstützen kein Regime, keine politische Option, keine Partei, gar nichts. Wir analysieren nur die Beziehung zwischen Kunst und Kultur auf der einen Seite und Ideologie und Politik auf der anderen Seite. Und wenn wir überhaupt irgendetwas unterstützen, dann den Mut der Nordkoreaner, uns in ihr Land einzuladen. Wer sind wir schon, um deren Welt zu ändern? Warum sollten wir das tun?

Nordkorea wird immerhin für einige der schwersten Menschenrechtsverletzungen der Geschichte verantwortlich gemacht.

(lacht leise) Was sind denn die ärgsten Menschenrechtsverletzungen in der Geschichte? Über was unterhalten wir uns hier eigentlich? Ich verstehe das nicht. Wer hat denn diesen Ruf Nordkoreas aufgebaut und wie? Nordkorea greift kein Land an, sie sind mit keinem einzigen Land der Welt im Krieg, mit Ausnahme der USA (und Südkorea, Anm. d. Red.). Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich versuche sicher nicht, das nordkoreanische Regime zu verteidigen. Aber schauen Sie einmal nach Europa, wo 600.000 Flüchtlinge aus aller Welt unter unerträglichen Zuständen leben. Oder was passiert denn in Griechenland? Dort gibt es zwar keine Gulags, dafür verkommt das ganze Land gerade zu einer Art Gulag. Faktum ist: Der größte Totalitarismus passiert in den am meisten entwickelten Ländern, mit dem Gesetz des Kapitalismus.