Yaron Herman ist ein Ausnahmemensch. 1981 in Tel Aviv geboren, zählte er zur Blüte der Basketballjugend. Eine schwere Knieverletzung zwang ihn, die Energien umzuleiten: Mit 16 ein blutiger Anfänger am Klavier, errang er schon zwei Jahre später einen Jazzpreis. Zurecht, denn Herman ist nicht nur ein Wunder an Lernfähigkeit: In seinem Spiel verbinden sich das Ungestüm Keith Jarretts, der rockige Gestus eines Esbjörn Svensson und eine verzwirbelte Nahost-Ornamentik, wie man sie vom Bassisten Avishai Cohen kennt. Vor allem ist diese Musik von Energie durchglüht, und Hermans Stern noch lange nicht am Verblassen.

Mit "Everyday", seinem Debüt auf Blue Note, legt der Israeli eines seiner besten Werke vor. Bevorzugt auf sprudelnden Ostinati der linken Hand aufbauend, gipfelt seine Musik in refrainartigen Melodien, schräger Funkyness und viel Klang gewordenem Fünften Gang, befeuert allein vom trockenen bis rockenden Schlagzeug des Landsmannes Ziv Ravitz. Es ist dies, bei genauerem Hinhören, aber auch eine Musik der eingestreuten Finessen, kleinen Kunstpausen und innig ausgelauschten Momente. Ein geheimniskrämerisches Skrjabin-Prelude (op. 74/Nr. 4) wäre da gar nicht als Subtilitätsnachweis nötig gewesen. Live am 2. November im Wiener Porgy & Bess.

Yaron Herman

Everyday

(Blue Note/Decca/

Universal Music France)