Heute spielt es wieder Weltuntergang: Imagine Dragons um den Sänger Dan Reynolds in Wien. - © Imago/Zuma Press
Heute spielt es wieder Weltuntergang: Imagine Dragons um den Sänger Dan Reynolds in Wien. - © Imago/Zuma Press

Hierzulande einem größeren Publikum bekannt wurde die Band durch eine Radiomoderatorin, die ihr die Tür zuschlug. Eine Fachkraft von Ö3 hatte sich bei der Arbeit gestört gefühlt und hinter den Leuten im Nebenraum "irgendeine österreichische, vollkommen unbekannte Band" vermutet, die der Anstalt ein "wahrscheinlich ganz schlechtes Lied" andrehen wollte. Tatsächlich aber handelte es sich um Imagine Dragons aus Las Vegas, die Ö3 im Gegensatz zu zahlreichen österreichischen Acts für gut genug befindet, um ihnen zwischen müden Witzen, Werbeunterbrechungen und dem Verkehrsfunk mittels Airplay ein Gnadenbrot zuzugestehen.

Falsches Pathos


Dass Imagine Dragons folgerichtig ein mäßig spannender Unterhaltungsact sein müssen, ist auf mittlerweile zwei Alben zu überprüfen. Wobei der Band um Sänger Dan Reynolds, der am Montag beim Konzert im Wiener Gasometer aus der richtigen Kameraperspektive ein wenig aussehen kann wie die junge Rockstarvariante des Herminators mit Dutt und dafür ohne Raika-Logo, ein Vorwurf definitiv nicht zu machen ist: Im Gegensatz etwa zu Coldplay wurde uns hier zumindest nicht zum Karriereauftakt noch vorgegaukelt, dass ein leidlich erträglicher Alternative Rock das künstlerische Hauptanliegen der Unternehmung sei. Nein, Imagine Dragons standen bereits mit ihrem Debüt "Night Visions" von 2012 ungeniert für einen überzüchtet auf Mehrzweckhallen und Fußballstadien ausgerichteten "Rock"-Entwurf, der außer auf hohle Posen vor allem auch auf falsches Pathos setzt.

Apropos: "We love you, Vienna!" Natürlich wird Dan Reynolds die alte Wienerstadt als seinen absolut bevorzugten Auftrittsort auf unserem Planeten bezeichnen, so wie er das zuletzt - same same, but different - auch in Prag ("We love you, Prague!") und Esch-sur-Alzette ("We love you, Esch-sur-???") getan hat. Next Stop "Bratislover", verrückt! Auf Facebook stellt die Band nach einiger Verwirrung um den Österreichtermin übrigens noch kurz vor Konzertbeginn klar, dass sie am Montag in der Bundeshauptstadt auftreten werde und nicht in "Linsk", das angeblich auch in Australia liegt und erst beim nächsten Mal ihr liebster Auftrittsort auf dem Planeten sein darf.

Live hört man Spurenelemente des Euphorisierungsrock von Arcade Fire als Ö3-Mainstreamband, die gerade U2 imitiert, gekreuzt mit dem "Besten" aller Welten zwischen den Killers, Coldplay und, wie im Falle des mit der Abrissbirne auffahrenden Starkstromblues von "I’m So Sorry", neuestens auch den Black Keys - wenn im Intermezzo nicht gerade die Harmonielehre der Fleet Foxes und der Schüchtigesang von Justin Vernon alias Bon Iver regiert. Weil Reynolds kränkelt und die Tour bereits sehr lange dauert, gibt es das alles jedenfalls als Schnell-schnell-Nummernrevue, die - inklusive Medley (!) - ungefähr so blutleer daherkommt wie vegane Blunzen.

Apokalypse, Ausmaus


An der Gitarre müht sich Daniel Wayne Sermon ab, einen authentischen Rockstar zu geben. Er sieht dabei allerdings aus, als würde er für den Posten als Ersatzmann bei den Makemakes vorspielen. Ein Wort, das bei den Imagine Dragons oft fällt, ist übrigens "letdown", Enttäuschung. Es kommt oft in Verbindung mit der eigenen Mutter vor. So viel zum Rock-’n’-Roll-Faktor der Band. Er ist nicht gegeben.

Nachdem Reynolds bereits im ersten Konzertdrittel den Bono machen und vor einem grässlichen Alphaville-Cover darüber predigen durfte, warum uns kein Terror dieses Planeten von Konzerthallen fernhalten wird (und er hat damit nicht die Musik seiner Band gemeint), werden die Kernkompetenzen im Fachbereich echte und innere Dämonen sowie Endspiel, Sperrstunde und Ausmaus im Sinne von Apokalypse und Höllenschlund im Finale mit "Radioactive" und "The Fall" bewiesen.

Dabei hätte man einen Vorgeschmack auf den Weltuntergang auch in den 90 Minuten davor schon bekommen.

Konzert

Imagine Dragons

Wiener Gasometer