Von seiner Art ließ relativ wenig darauf schließen, dass der Mann - nach einem Umweg über die Universität für angewandte Kunst Wien - eigentlich vom Schauspiel her kam: Der gerne als "Urwiener" bezeichnete, am 28. Februar 1946 allerdings in der Steiermark geborene Liedermacher Ludwig Hirsch war bereits in seinem Auftreten der eindeutig Stille und Bedachtsame, als den ihn auch seine Songs auswiesen. Alles Marktschreierische war ihm fremd. Stattdessen im gerne erzählerischen, gedämpften, in sich versunkenen Vortragsmodus bekam es das Publikum mit einem großen Grübler zu tun, den der Mann auf der Bühne nicht darstellen musste. Er war einfach er selbst.

Seinen größten Hit feierte Ludwig Hirsch 1983 mit dem Hosentürlreiber "Gel’, du magst mi", der auf dem Elvis-Hadern "Love Me" basiert. Womit man Hirsch aber vordergründig in Verbindung brachte, war nach Stationen am Stadttheater Regensburg, in Wuppertal oder am Hamburger Thalia Theater sowie nach einer Zeit als Ensemblemitglied am Theater in der Josefstadt zwischen 1975 und 1979 bereits auf seinen ersten beiden Alben ausdefiniert.

Akustische Gemälde


Sowohl auf "Dunkelgraue Lieder" (1978) als auch auf "Komm, großer schwarzer Vogel" (1979) als Klassiker und Standardwerke heimischer Popmusik stand Hirsch zwischen akustischen Gemälden und orchestrierten Kammerballaden einerseits für die Durchforstung alles Schweren einer Welt, der man zwar nicht zynisch, aufgrund einer gewissen Fassungslosigkeit aber doch mit der nötigen Dosis Sarkasmus und im Ernstfall mit Humor begegnen musste.

Neben einem frühen Hang zu Themen wie dem Tod, dem Tod oder dem Tod - mit etwa dem aus der Grube gesungenen "I lieg am Ruck’n" - und Hirschs Spezialität, der morbiden Erzählung, ging es aber auch darum, mit lieben Lügen zu brechen. Immerhin wurde in Zeiten des nach wie vor grassierenden Nachkriegsmiefs "Die Omama" schonungslos als Frau mit dem Mutterkreuz porträtiert. Mit "Grüß Gott, Salzburg" oder dem "Wienerlied" war überdies aufgezeigt, dass man - außer am Leben - auch an Österreich erheblich verzweifeln kann. In lichteren Momenten wiederum konnte Ludwig Hirsch, man sollte es nicht vergessen, trotz alledem ziemlich zärtlich sein.

Oft verglichen wurde Hirsch mit Leonard Cohen, was partiell, also im Abarbeiten an existenziellen Themen, in einer Überzeugung vom Songtext als poetischem Angebot oder Ähnlichkeiten in der Instrumentierung und Produktion stimmen mag. Im Gegensatz zum spirituell gefestigten, stets auf Gottsuche befindlichen Cohen zeigte sich Hirsch in allfälligen Momenten mit Glaubensbezug ("Die Bosheit der Menschen", 1982) aber als Zweifler.

Briefmarkenkarriere


War sein Blick in den Himmel gerichtet, so aus rein weltlichen Gründen - wie 1991 die Single "Sternderl schaun" erklärte. Zwei Jahre später war der davon eingeläutete zweite Karrierefrühling mit Hirsch als Abbild einer 5,50-Schilling-Briefmarke besiegelt.

Für unregelmäßige Albumveröffentlichungen wie "Perlen" (2002) oder "In Ewigkeit Damen" (2006) sowie vor allem auch live wurde Ludwig Hirsch bis zuletzt als sympathische Ausnahmeerscheinung einer heimischen Musikergeneration geschätzt, die unter dem Label "Austropop" für Nachwachsende lange Zeit nicht nur abgestempelt, sondern schlicht abgeschrieben war. Ein Lebenswerk-"Amadeus" wurde Ludwig Hirsch aber erst posthum verliehen.

Wie nun auf der Kompilation "Himmelblau & Dunkelgrau" (Universal Music) wieder nachgehört werden kann, versteckt sich hinter seinem tragischen, 1978 von "Komm, großer schwarzer Vogel" bereits vorweggenommenen Tod am 24. November 2011 aber auch eine Botschaft, die man als eigentümlich tröstlich bezeichnen kann: "Auf geht’s, mitten in den Himmel eine, nicht traurig sein, na, na, na, kein Grund zum Traurigsein! Ich werd’ singen, ich werd’ lachen, ich werd’ ,das gibt’s net‘ schrei’n!"