23 Jahre Existenz als Band. Das mag heute, da sich längst auch im einstmals für schnelllebig gehaltenen Popbusiness (manchmal belästigende) Ausdauer breitgemacht hat, nichts Besonderes mehr sein. Wenn besagte Band allerdings Hip-Hop macht und aus Linz stammt, ist es das sehr wohl.

Auf ihrer neuen Platte, "Nichts dagegen, aber", rollen Texta dieses Wunder, es in Österreich aus einer Außenseiter-Position zu einer Institution geschafft zu haben, von den Anfängen her auf: "Wir Hip-Hopper sind eine seltsame Spe-zies, Anfang der 90er, da seh’n wir aus wie Aliens - Raiders Caps, Timbalands, Cross Colours, Baggy Pants", schildern sie (in "Alpenraps") ihr für Normalverbraucher gewöhnungsbedürftiges Erscheinungsbild von damals. Und benennen neben Weggefährten wie Schönheitsfehler oder Total Chaos auch die Personen, ohne deren mediale Unterstützung diese Szene kaum lebensfähig gewesen wäre: Katharina Weingartner und Werner Geier.

Schönheitsfehler sind, wie es aussieht, nur mehr ein Fall für gelegentliche Reunionsauftritte; von Total Chaos hat man seit Ewigkeiten nichts mehr gehört. Katharina Weingartner hat sich mittlerweile als Filmemacherin profiliert; und Werner Geier ist tragischerweise einer seltenen Krankheit erlegen. Es soll in diesem Zusammenhang nicht zynisch verstanden werden, dass man Texta als Überlebende bezeichnen kann. Nicht so sehr in dem Sinn, dass sie karrieristische Niedrig-Konjunktur-Phasen übertaucht haben. Oder auch die vielen - oft mehr von Wunschdenken denn Faktizität motivierten - Totsagungen des Hip-Hop an sich.

Sie sind es vielmehr in dem Sinn, dass sie nach wie vor den aufklärerischen Impetus des Genres vertreten. Das wirkt heute ungemein altmodisch - und ist gleichzeitig notwendiger denn je. Und dass kein Geringerer als Cartoonist Gerhard Haderer das Cover ihrer neuen LP mit einem schwitzenden fetten Kopf und der Spiegelung einer idyllischen Landschaft in der Sonnenbrille kreiert hat, zeigt den Stellenwert der Band - und indiziert auch die Wegrichtung der Platte.

Sehr österreichisch geht’s hier zu. Das fängt schon beim Titel an, der verbal schönfärbt, dass man etwas nicht möchte. Österreich hat sich ja nicht zuletzt dank Conchita Wurst mit einem Image der Toleranz häuslich eingerichtet und will das nicht durch krasse Missfallensbezeugungen aufs Spiel setzen. Ironischerweise hätte übrigens die Wurst auf dem Album mitwirken sollen und auch wollen, doch ihr Label funkte dazwischen: Nichts dagegen, aber.

Die Samples auf diesem - durch Crowdfunding finanzierten - neuesten Opus im Texta-uvre, dessen reguläre Alben durch eine Kooperation mit Blumentopf, eine Live-Aufnahme und eine Kompilation mit Unveröffentlichtem ergänzt werden, sind ausschließlich österreichischer Provenienz. Sie stammen u.a. von Wipeout, Attwenger, Kreisky, Valina, den Bambis und Michael Heltau.

Das Prägnanteste findet sich aber im eingangs zitierten "Alpenraps", das den fast gleichnamigen EAV-Hit von 1983 aufgreift: Als Zitat insofern eine besonders pikante Sache, als dies ja eine der ersten Rap-Parodien war. Hier spiegelt sich auch auf formaler Ebene die Doppelbödigkeit und lakonische Widersprüchlichkeit, mit der Texta schon in vielen Stücken (wie etwa "Neinsager") virtuos gespielt haben.

In "Schweben im Nirgendwo" wird sie klassisch inhaltlich ausgetragen, indem selbst- und weltvergessene Entspannung mit Misanthropie kontrastiert wird. "Da fragt der linke Schuh den rechten Fuß, was passt denn jetzt hier nicht / Da sagt der rechte Fuß zum linken Schuh, ,naja, du oder ich‘."

Dass es in der Folge heißt, "der Müßiggang ist lächerlich", ist indes gewiss keine despektierliche Anspielung auf Gründungsmitglied Skero, der Texta 2013 verlassen hat und unter anderem eine Wienerlied-Formation mit dem Namen Müßig Gang betreibt. Sehr wohl jedoch setzen sich Philipp Kroll (Flip), Harald Renner (Huckey), Klaus Laimer (Laima) und Daniel Reisinger (DJ Dan) mit dem eigenen Selbstverständnis und der Band-internen Chemie auseinander. Und kommen zum beruhigenden, wenn auch wenig überraschenden Ergebnis, dass es um beides immer noch gut bestellt ist.