- © And Also The Trees
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Veröffentlicht eine alte Band ein neues Album, sind die Erwartungen unterschiedlich: Die einen wollen Weiterentwicklung, die anderen hoffen auf Wiederholung und Altbewährtes, auf Referenzen an die Vergangenheit. Das neue Album von And Also The Trees (AATT) erfüllt beides.



"Born Into The Waves" heißt das 13. Studioalbum der 1979 gegründeten Band rund um die Gebrüder Jones aus Worcestershire. Justin Jones’ typisches, mandolinenhaftes Gitarrenspiel und die poetische Energie seines sprechsingenden Bruders Simon Huw sind seit Anbeginn zwei wesentliche Merkmale von AATT: Diese bestehen bis heute fort, trotz der vielen Exkurse in neue musikalische Gefilde, ausgehend von Post-Punk und Cold Wave über Americana bis hin zu Jazz - und der sich im Laufe der Zeit verändernden Besetzung.

Auch wenn die Band oft im Zusammenhang mit Nick Cave, Tindersticks oder Scott Walker genannt wird, so passt sie dennoch in keine Schublade. Denn AATT machen mittlerweile Musik, die ihresgleichen sucht, und es braucht Zeit und Aufmerksamkeit, um diese delikate Welt zu erkunden.

Wie heftige Wellen spülen die stimmungsvollen neuen Songs den Hörer an andere Orte, dann wieder verebben sie mit ruhigerer, melancholischer Tonalität und schönen Melodien. Sänger Simon intoniert sonor samt stimmhafter alveolarer Reibelaute, für seine Texte ließ er sich wie immer von der Musik leiten. Diese wiederum wird getragen von den kraftvollen Gitarrenklängen und dem teils wirbelnden, teils dezenten Schlagwerk von Paul Hill.

Daneben finden erstmals auch Instrumente wie Vibrafon oder Klarinette Verwendung. Auch kommen verschiedene Erzähltechniken, wie etwa innere Dialoge, zum Einsatz. Und einmal mehr evoziert die bildhafte Sprache Geschichten, die offen sind für eigene Interpretationen. Das bedeutet aber nicht, dass das Album dadurch inhaltlich beliebig wäre: "Das Thema Liebe als starkes Gefühl steht im Zentrum und zieht sich wie ein roter Faden durch die Songs - strahlend und düster, belebend und zerstörerisch", so Simon Jones.

Siehe dazu auch: Porträt: Rustikaler Underground von And Also The Trees