(irr) Ein großer Familienname kann Türen öffnen. Er kann aber auch zu einem Schattendasein führen - vor allem, wenn ein Künstler im gleichen Genre tätig wird wie sein berühmter Vorfahre. Lisa Simone, Tochter der Bürgerrechtlerin und Soullegende Nina, hat lange Zeit fast, aber nicht ganz am gleichen Feld gearbeitet wie die Mutter: Unter dem Künstlernamen Simone hat sie am Broadway Karriere gemacht und dabei auch eine Grammy-Nominierung errungen. 2014, mehr als 50-jährig, beschritt sie dann aber doch noch unter vollem Namen den Weg in die Solokarriere. "All Is Well" hieß ihr spätes Debütalbum; mit "My World" erscheint dieser Tage ein zweites Werk.

Gemeinsam mit ihrem Kreativpartner, dem Senegalesen Hervé Samb, hat sie einen bekömmlichen Mix aus Jazzpop, Soul und Funk ersonnen. Mit einer Stimme, die zwar keine Mauern einreißt, aber am Herzen rührt, beschwört Simone die reine Liebe eines Kindes ("Unconditionally"), Gebete für das Glück ("I Pray") oder, grundiert von flockiger Funkyness, die nötige Gelassenheit im Angesicht der Krise ("Let It All Go"). Kurz: Eine schöne Sache. Nur halt etwas handzahm. Aber wer weiß: Vielleicht mengt der Bühnenprofi Lisa Simone diesen Songs live etwas mehr Dringlichkeit bei - zu überprüfen am 2. Mai im Wiener Konzerthaus.

Lisa Simone

My World

O-Tone Music (Edel)