"Die Geschichte des Austropop in 20 Songs" versucht Rudi Dolezal für das Red Bull Media House zwischen zwei Buchdeckel zu packen. Keineswegs wolle er damit, erklärt der renommierte Regisseur von Musikfilmen und -videos im Vorwort, eine Diskographie des Austropop erstellen (die ginge sich in 20 Songs auch schwerlich aus). Vielmehr möchte er uns "die wahre Geschichte hinter dem Phänomen Austropop erzählen: was hinter der Bühne (,Backstage‘) passierte, wie Songs und Texte entstanden sind, wo Erfolg einfach nur Zufall war - von einzigartigen Live-Konzerten, von den Abstürzen und Niederlagen und davon, welche Anekdoten, Begegnungen und Erlebnisse sich hinter den Liedern verbergen."

"Magic moment" mit Ambros


Nicht notwendigerweise hat Dolezal von den vorkommenden Künstlern deren jeweils größte Hits oder Signature-Songs in seine Auflistung genommen, sondern "Lieblingssongs oder Lieder, zu denen ich - zum Beispiel aufgrund von persönlichen Erlebnissen - eine besondere Beziehung habe". Die kann dergestalt sein, dass er wie im Falle von Falcos "Rock Me Amadeus" mit seinem langjährigen Partner Hannes Rossacher das Video gedreht oder wie bei der All-Stars-Benefiz-Single "Austria für Afrika" das Projekt überhaupt initiiert hat. Oder dass er, wie gleich beim ersten Beispiel, Wolfgang Ambros’ "Verwahrlost aber frei", bei der Genese eines Songs dabei war: Bei einem gemeinsamen Tauchurlaub in der Nähe Costa Ricas zog sich Ambros eine blutige Kopfwunde zu und durfte fortan wegen Infektionsgefahr nicht mehr ins Wasser. Stattdessen kreierte der Musiker "Verwahrlost aber frei", den Titelsong seiner 1996er-LP. Dessen Weltpremiere auf einem Schiff im Pazifik erlebt zu haben, beschreibt Dolezal als "magic moment". Das Lied sei obendrein besonders symbolträchtig für seine Beziehung zum Künstler.

Erwartungsgemäß steht das Buch mit Protagonisten wie Ambros, Georg Danzer, Wilfried, Rainhard Fendrich, Falco, Opus, STS, Hansi Lang, Andy Baum, EAV, den Schmetterlingen und anderen im Zeichen der Vergangenheit. Der österreichische Gegenwarts-Pop ist nur durch Wanda vertreten. Zwar enthält die "Liste Dolezal" mit Christina Stürmer noch einen weiteren nach Jahren etwas jüngeren Act, doch repräsentiert die Sängerin mit ihrer Mischung aus Schlager und Mainstream-Rock beim besten Willen nicht die kontemporäre österreichische Populärmusik. Dass Dolezal keine Gelegenheit auslässt, um zu erwähnen, dass er unter anderem mit den Rolling Stones, Bruce Springsteen, George Michael oder U2 gearbeitet hat und mit Frank Zappa und Queen-Sänger Freddie Mercury persönlich befreundet war, überrascht auch niemanden wirklich. Ebensowenig, dass er nicht ansteht, seinen Anteil am Gedeihen des Austropop gebührend herauszustreichen. Dass er sich dabei aber auch immer noch als Fan und Enthusiast zu erkennen gibt, ist wiederum sehr sympathisch. Es passt durchaus ins Bild, wenn Dolezal sagt, dass es für ihn keinen Unterschied mache, ob er nun ein Video für Queen, die Rolling Stones oder Rainhard Fendrich drehe.